Beitrag im Bündner Tagblatt

Erster Shop mit Bündner Sortiment eröffnet

Zum ersten Mal werden Bündner Produkte in einem Sortiment zusammengetragen und in einem Shop angeboten. Dies an bester Lage in der Heidiland Raststätte, der am best frequentierteste Ort in Graubün-den. Doch die Pläne gehen weit über den Shop hinaus, wie die Initianten der Graubünden Vivonda AG erzählen.

Beitrag von Rinaldo Krättli im Bündner Tagblatt am 21. Dezember 2020

Nusstorte, Salsiz, Wein, Teigwaren, Honig, dazu ein saisonales Gemüse- und Früchtesortiment, das ist nur eine Auswahl des reichhaltigen Kulinarikangebots das Bündner Landwirte, Produzenten und Veredler auf den Markt bringen. Zum ersten Mal überhaupt wird dieses breite und hochstehende Angebot als Sortiment zusammengetragen und in einem Laden angeboten. In der Heidiland Raststätte wurde gestern die erste Filiale der im Frühjar 2020 gegründeten Graubünden Vivonda AG eröffnet. «Die Bündner Regionalität hat einen hohen Wert. Diesen Wert möchten wir bis zum Konsumenten tragen und für die Produzenten eine Wertsteigerung ermöglichen», erklärt Christoph Caprez den Grundgedanken hinter dem neuen Laden, der seit dieser Woche geöffnet hat. Caprez ist Initiant und Mitgründer der Graubünden Vivonda AG, welche die Bündner Regionalität nicht nur mit dem Laden an die Leute bringen will, sondern hinter der noch weit mehr steckt, wie Caprez betont. Doch dazu später mehr. Der neue Laden solle ein erster wichtiger Schritt sein, so Caprez. Ein Schritt, der nicht nur Absatz bringen, sondern auch die Bündner Produkte sichtbar machen soll. Dass das gelingt, scheint fast sicher zu sein. Denn die Heidiland Raststätte ist mit rund einer Million Besucher pro Jahr der meist frequentierte Ort im Kanton Graubünden. «Es geht um Zugang zum Konsumenten, um Sichtbarkeit und Erhältlichkeit. Wir gehen dorthin, wo bis jetzt keine Marktbearbeitung stattfindet. Wir machen Regionalität sichtbar. Wenn man von der Landwirtschaft kommt, dann gibt es die Hofläden. Die sind dort wo die Bauernhöfe sind. Dann gibt es regionale abgelegene und mässig frequentierte Dorfläden mit teils überschaubarem Sortiment an regionalen Produkten. Bei den grossen Frequenzen ist aber niemand, denn das ist auch sehr teuer. Das kann und will sich ein einzelner Produzent nicht leisten. Und genau da setzt unser Team an. Wir kümmern uns um diesen Bereich, um den sich ein einzelner Produzent nicht kümmern kann.» Das sei ein wichtiger Handlungszweig der neuen Firma. Es gehe konkret darum, an diese hochfrequentierten Standorte zu gelangen und diese dann zu entwickeln. «Wir schaffen den Zugang sowie Sichtbarkeit und Verfügbarkeit und für unsere Produzenten und Partner ein hochattraktives Sortiment. Eine klassische Win-Win-Situation.

Etwa 150 Produkte von rund 50 Produzenten sind derzeit im Sortiment des Verkaufsladens in der Heidiland Raststätte. Alle Produkte haben den Ursprung, die Verarbeitung und die Zutaten aus dem Kanton Graubünden. Eine sogenannte «Regio-Garantie» stellt Alpina Vera mit einem Zertifikat für jedes Produkt aus, das die Kriterien erfüllt. «Dieser Weg ist sicher nicht ganz einfach, da es schwierig sein wird für die Produzenten, alle Rohstoffe regional zu erhalten. Aber es zwingt uns, neue Wege zu gehen und uns noch mehr mit der Regionalität auseinanderzusetzen.» Gewisse Produkte würden deshalb noch fehlen, da es derzeit noch keine Produzenten gebe, die diese komplett regional – das heisst auch mit regionalen Rohstoffen – produzieren. Caprez nennt dies «Mut zur Lücke». Er glaubt aber dass die Shops, von denen es künftig noch mehr geben soll, die Produzenten motivieren, weitere regionale Produkte zu produzieren.

 

GraubündenVIVA  mit neuen Ambitionen «Regionalität wird sichtbar»

Die Marke graubündenVIVA, die der Kanton vor vier Jahren lanciert hat, erhält dank der Graubünden Vivonda AG eine neue Bedeutung. graubündenVIVA macht Regionalität sichtbar und verfübar. Die Aufschrift GraubündenVIVA ziert auch den Laden in der Heidiland Raststätte. Die neue AG hat das Nutzungsrecht erhalten. «Mit dem Inhalt von GraubündenVIVA können wir uns identifizieren. Wir haben aber eine andere Herangehensweise. Wir möchten Wertschöpfung generieren. Im Kanton gab es schon einige Anstossprogramme, und solange dabei Geld geflossen ist von öffentlicher Seite, ist es gegangen. Ein selbsttragendes Engagment nach einer Anfangsunterstützung ist aber nie zustande gekommen. Wir möchten mit unserer Firma eine langfristige Basis schaffen.» Bisher sei es vor allem um die Sensibilisierung gegangen. Es wurde kommuniziert, was Graubünden kulinarisch zu bieten habe und damit eine wichtige Basis im Sinne der Markenbekanntheit, Akzeptanz und Affinität zum Thema geschaffen. Nun sollen die Vermarktung, die Wertschöpfungsketten und das Sortiment gestärkt, respektive aufgebaut werden, wie Caprez ausführt. Anders dürfte es nicht gehen. Denn als privates Unternehmen muss die Graubünden Vivonda AG marktorientiert und wirtschaftlich nachhaltig funktionieren. «Man hat viel probiert mit gutem Willen. Aber diese Konsequenz, dass man ein Unternehmen gründet, fehlte bisher. Und das ist einzigartig in der ganzen Schweiz.» Es gebe zwar dutzende Sortenorganisationen, Vereine und andere Gesellschaften, die die Vermarktung einzelner Produktgruppen zum Ziel haben, ein solches privatwirtschaftliches Unternehmen existiere in der Schweiz aber bisher nicht.

 

Hochkarätige Initianten

Die Zusammensetzung des Verwaltungsrates widerspiegelt eine geballte Kompetenz. Initiant Christoph Caprez, der den Verwaltungsrat präsidiert, hat mit dem Aufbau der Frostag Food-Centrum AG bewiesen, dass er ein Lebensmittelunternehmen nicht nur erfolgreich führen kann, sondern dabei auch Innovationen auf den Markt bringen kann. Fürs Marketing konnte Rico Grünenfelder gewonnen werden, der den Nachhaltigkeitsgedanken der Graubünden Vivonda AG auch in seiner aktuellen Position als Leiter Sales und Businessdevelopment E-Mobility bei Repower in sich trägt und vorher rund 10 Jahre für Hilcona im Marketing arbeitete, die letzten Jahre dabei als Marketingleiter. Mit Rudolf Minsch, Chefökonom beim Wirtschaftsdachverband Economiesuisse und Verwaltungsratspräsident der Fleischzentrum Klosters Davos AG, sitzt ein schweizweit renommierter Wirtschaftsfachmann im Verwaltungsrat. Komplettiert wird die Mannschaft mit Urs Stephan Schmid, Geschäftsführer der Allegra Passugger Mineralquellen AG und Marc Burkhardt, Geschäftsleitungsmitglied der Burkhardt Gebäudehülle AG. «Für uns ist es eine Herzensangelegenheit. Das Engagement für die Sache ist von allen sehr hoch. Mit der Firmengründung möchten wir zeigen, dass wir es ernst meinen», so Caprez.

 

Kompetenzzentrum für Regionalität

Wie ernst sie es ernst meinen, zeigt, dass sie nebst dem Shop in der Heidiland Raststätte bereits an einem weiteren Standort für die nähere Zukunft gearbeitet wird. Auch dieses Mal achteten die Verantwortlichen auf einen möglichst attraktiven Standort mit hohen Frequenzen. In Jenaz soll bis mitte 2021 ein Kompetenzzentrum entstehen. Notabene an der zweitmeist befahrenen Strasse im Kanton Graubünden. Nebst einem Shop und einem Bistro, kann hier auch produziert werden. Insbesondere werden in Jenaz Produktionsschritte angeboten, die es sonst in Graubünden nicht mehr gibt. So soll möglichst viel Wertschöpfung im Kanton behalten werden. Einzelne Produktionslücken, kann die Graubünden Vivonda AG, im speziellen das Kompetenzzentrum in Jenaz, schliessen.

«Wir werden in Jenaz verschiedene Verarbeitungsstufen aufbauen. So werden wir beispielsweise Teigwaren herstellen. Aber auch eine Dörrerei wird aufgebaut, weil das im Kanton fehlt. Beispielsweise für gedörrte Früchte und Beeren. Auch das Herstellen regionaler Oele wird ein Thema sein. Damit die Produzenten diese Arbeitsschritte nicht ins Unterland vergeben müssen und somit das nötige Know-How im Kanton bleibt», erzählt Caprez. Die Aufgabe der Graubünden Vivonda AG besteht also nicht nur beim Anbieten verschiedener Verkaufsstandorte im Kanton an gut frequentierten Verkehrsachsen, sondern auch beim weiteren Aufbau eines regionalen Sortiments. Dabei könne die Graubünden Vivonda AG selber als Produzent in Erscheinung treten oder andere Produzenten unterstützen. Es benötige eine übergeordnete Kapazität, die die Bedürfnisse der Produzenten erkenne und entsprechend handeln könne, erklärt Rico Grünenfelder, der Marketingverantwortliche. «Der einzelne Produzent konzentriert sich bevorzugt und auch sinnvoller Weise um sein operatives Kerngeschäft und ist oft zu wenig finanzkräftig,  um beispielsweise extra eine Trocknerei oder eine Abfüllerei zu bauen. Die Anfangsmengen sind zu klein und vage, die Distribution und Verkaufkanäle zu selektiv und unsicher, dass es mit zu vielen Risiken behaftet ist. Hier  können wir Lücken schliessen, Sammelbedürfnisse und Defizite in unserem Kanton erkennen und Potentiale erschliessen.»

 

Innovation schaffen

Eine weitere Funktion erfülle die Graubünden Vivonda AG beim Erkennen von Marktbedürfnissen und Trends.
Nicht nur klassische, traditionelle Bündner Produkte sollen den Weg ins Sortiment finden, sondern auch neue, noch nicht dagewesene Produkte aus regionalen Zutaten. Christoph Caprez fängt an, von seinem Lieblingsthema zu sprechen – Innovation. Ein zwar inflationär benutzter Begriff, einer den man Caprez aber abnimmt. Nicht nur, weil seine Augen strahlen, wenn er von Innovation spricht, sondern auch wegen seiner Vergangenheit bei der Frostag  Food-Centrum AG, dessen Eigentümer, Gründer und Geschäftsführer er war. Er war damals beispielsweise einer der Ersten, welcher konsequent mit Bio Soja aus der Schweiz tofu-Produkte hergestellt und erfolgreich lanciert hat. «Innovation ist mein Lieblingsthema, das habe ich das Leben lang gemacht.» Die Graubünden Vivonda AG habe das Wissen und den Willen, sowie die Möglichkeiten für Investitionen erklärt Caprez und nennt gleich ein Beispiel für ein neues mögliches Produkt. «Jetzt kommt beispielsweise das Bedürfnis nach einem veganen Käse. Wer macht den? Das ist eine neue Disziplin. Da braucht es neue Technologien, neue Spezialisten, vielleicht eher Lebensmitteltechnologen als einen Käsermeister. Einen veganen Käse können – und werden wir vielleicht auch – machen.»

 

Der Regionalität mehr Wert geben

Die Initianten sind überzeugt, dass gerade die Regionalität immer bedeutender wird für die Kunden. Insbesondere die Kombination mit der biologischen Landwirtschaft, erzählt Caprez. «Regionalität wird bedeutender als Bio, das sagt beispielsweise auch eine Studie der Universität St. Gallen. Dabei sind wir keine Konkurrenz von Bio, sondern das passt sehr gut zusammen. Künftig wird wahrscheinlich mehr Bio aus der Region gefragt sein. Denn Bio ist heute nicht immer ökologisch mit sehr langen Transportwegen. Die jüngere Konsumentenschicht hinterfragt das zunehmend.» Mit dem Sortiment, das ausschliesslich auf Produkte setzt, die in Graubünden produziert werden und dies mit Bündner Rohstoffen, setzt die Graubünden Vivonda kompromisslos auf diesen Trend. Überzeugt vom Erfolg sind die Initianten auch, weil sich Graubünden als Marke hervorragend eigne, wie Rico Grünenfelder, der Marketingverantwortliche sagt. «Aus einer Studie zur Marke Graubünden geht hervor, dass Produkte mit dem Absender Graubünden zu einer signifikant höheren Kaufbereitschaft und einer höheren Preisakzeptanz führen. Zudem  werden unsere Filialen nicht einfach herkömmliche Verkaufsstellen, sondern wir erschaffen emotionale Erlebnis-Welten, wo Regionalität mit allen Sinnen wahrgenommen wird. Damit werden wir die Marke GraubündenVIVA noch weiter aufladen und somit den Wert unseres Angebotes zusätzlich steigern.» Grünenfelder zeigt anhand der Verpackung der Bündner Nusstorte eines der ausgewählten Eigenmarkenprodukte unter der Marke GraubündenVIVA, wo die Anforderung an regionalem Ursprung und vollkommene Transaparenz besonders hoch ist – wie die Regionalität angepriesen wird. Auf der Rückseite der Verpackung ist der Produzent mit Foto abgebildet, die Geschichte des Unternehmens, sowie das besondere Geheimnis seines Produktes wird geschildert und man erfährt woher die Rohstoffe stammen. «Wir pflegen eine ausgeglichene Partnerschaft mit unseren Produzenten. Wir anerkennen die Bedürfnisse der Hersteller klar an, setzen aber auch hohe Ansprüche. Gemeinsam machen wir scheinbar Unmögliches möglich. Wir achten anschliessend darauf, dass der Mehrwert dieser Produkte auch zur Geltung kommt. Kommunikativ und im Verkaufsumfeld beim Konsumenten. Wir sorgen dafür, dass die Produkte emotional aufgeladen werden. Transparenz, Werthaltigkeit und nicht zuletzt eine starke Marke sind dabei entscheidend», erklärt Caprez.

 

Grosse Pläne

Die Initianten hegen grosse Pläne. Das Ziel sei es, künftig in verschiedenen Talschaften Shops aufzubauen. Gleichzeitig betonen sie, dass es noch ein langer Weg sein wird. «Wir haben einen langen Zeitstrahl. Es wird Jahre dauern, und wir werden uns entwickeln. Gewisse Sachen gehen schnell. Es wird schnell ein Sortiment geben, das wir anbieten können. Es gibt aber noch ein riesiges Entwicklungspotenzial.» Nebst den Shops in den verschiedenen Talschaften, sei beispielsweise auch der öffentliche Verkehr ein möglicher Partner und Absatzkanal. «Wenn wir von Frequenzen reden, hat beispielsweise die RhB eine grosse Bedeutung. Auch an diese Frequenzströme möchten wir die Regionalität hinbringen.»

Was der Kanton mit der Marke GraubündenVIVA gestartet hat, findet in der Graubünden Vivonda AG nicht nur eine Weiterführung, sondern eine Weiterentwicklung. Zum ersten Mal sind Bündner Produkte als breites Sortiment zusammengetragen und sichtbar für eine grosse Kundschaft. Gespannt darf man auf das Kompetenzzentrum in Jenaz sein. Dort soll nicht nur ein Shop mit Bistro entstehen, sondern eben auch Innovationen. Neu ist aber insbesondere, dass so ein Projekt zum ersten Mal privatwirtschaftlich geführt wird und wirtschaftlicher Erfolg unabdingbar sein wird.