Kolumne Leonie Liesch im Bündner Tagblatt

Zertifizierte Regionalprodukte- Augen auf beim Kauf

Wer kennt es nicht: Da! Ein schönes Label auf einer Verpackung eines Lebensmittels. Zugreifen! Kaufen! Die wenigsten von uns nehmen sich die Zeit und Lesen effektiv, was im Produkt enthalten ist oder wie und wo es hergestellt wurde. Wo eine Region drauf steht, ist bestimmt auch die Region drin. So habe ich auch immer gedacht.

Mit meiner neuen Aufgabe als Geschäftsführerin des Vereins «graubündenVIVA» habe ich mich nun aber intensiv damit befasst. Das neue Aufgabenfeld sensibilisiert mich, mich vermehrt auf den Inhalt, die Herkunft und die Herstellung eines Produktes zu achten, mit der Erkenntnis, dass sich das auf jeden Fall lohnt. Quasi unter dem Motto: «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser». Und Details sind eben nicht nur Details, sondern enorm wichtig. Ob ein Produkt einfach «in einer Region» hergestellt wurde und/oder ob die meisten Zutaten tatsächlich aus der entsprechenden Region stammen, das ist ein grosser Unterschied und hat entsprechend Auswirkungen auf die regionale Wertschöpfung.

 

Labels dienen grundsätzlich der Orientierung. Sie sollen Vertrauen schaffen und nicht nur als Marketinginstrument oder gar als «Greenwashing» funktionieren. Ein Label, auch «Gütesiegel» genannt, sollte dem Konsumenten Informationen zur Qualität des Produktes liefern. Doch entspricht das Versprechen des Herstellers immer der ganzen Wahrheit? Aus eigenen Erfahrungen würde ich sagen: «Nein». Umso wichtiger ist es also, die wirklich nachhaltigen Labels zu fördern. Die, die glaubwürdig sind und keine Zweifel an der Botschaft benötigen.

Bündnerfleisch Zertifizierte Regionalprodukte

Der Trend, vermehrt auf Nachhaltigkeit zu achten, motiviert uns noch mehr, unser Label «graubündenVIVA regio.garantie», welches von unserer Partnerorganisation «alpinavera» vergeben wird, zu fördern. Aber was steht hinter dem Gütesiegel «graubündenVIVA regio.garantie»? Unser Gütesiegel mit der ergänzenden regionalen Kennzeichnung «regio.garantie» wird von unserer Partnerorganisation alpinavera vergeben. Die wichtigsten Bedingungen sind dabei, dass nur Produkte, die mindestens 80% regionale Zutaten enthalten, zertifiziert werden können und deren Wertschöpfung zu zwei Drittel in Graubünden erbracht werden. Die Produkte werden alle zwei Jahre von einer unabhängigen Kontroll- und Zertifizierungsstelle kontrolliert und zertifiziert, so dass mit dem Kauf von Spezialitäten das einheimische Schaffen garantiert gefördert wird. Die regionale Wertschöpfung wird damit begünstigt.

 

Sicher ist, dass ein solcher Zertifizierungsprozess nicht von heute auf morgen umsetzbar ist. Sicher ist auch, dass dieser Weg entsprechende Ressourcen des Herstellers benötigt. Leider führen diese Faktoren oft dazu, dass prädestinierte Produkte nicht den Weg zu unserem regionalen Label finden. «Zu grosse Hürden und ein zu geringer Mehrwert», heisst es oft.

 

Hier können wir seitens graubündenVIVA Support anbieten, indem wir gut uns transparent informieren, damit ein Einstieg einfacher und nachvollziehbarer ist. Weiter steht die Partnerorganisation alpinavera den Herstellern beim gesamten Prozess beiseite und nimmt damit einen grossen Teil der Arbeit ab.

 

Besonders bei den jungen Erwachsenen hat die Sensibilisierung regionaler Produkte stark zugenommen. Und auch wir können dem Sprichwort «Man ist, was man isst», auf jeden Fall zustimmen. Nicht zuletzt deshalb möchten wir mit unserem Kooperationsprogramm das Label «graubündenVIVA regio.garantie» stärken. Damit schaffen wir gute und wichtige Argumente, ein Produkt zertifizieren zu lassen. Je mehr Produkte in unserer Markenfamilie sind, umso grösser der regionale Mehrwert. Je mehr zertifizierte Produkte, umso attraktiver der Bündner Warenkorb. Darum sorgen wir für Orientierung und Aufklärung, um gemeinsam die regionale Wertschöpfung zu fördern. Das ist unser Ziel.

Gemeinsam mit dem Vereinsvorstand und der Präsidentin Corina Casanova leitet Leonie Liesch als Geschäftsführerin die Geschicke des Vereins graubündenVIVA. 

 

Leonie Liesch ist Geschäftsführerin des Vereins graubündenVIVA. Ihr Ziel ist es, durch Ihr Engagement und in enger Zusammenarbeit mit Produzentinnen, landwirtschaftlichen und touristischen Organisationen sowie Verbänden und Wirtschaftspartnern das regionale Ernährungssystem Graubündens weiter zu stärken. Weiter liegt der Fokus auch auf der Sensibilisierung für die Bündner Kulinarik auf Konsumentenseite. Für diese Kolumne gibt Leonie Liesch Einblicke in die Welt von graubündenVIVA und zeigt auf, welche Bedeutung Regionalität im Kanton Graubünden hat und wie zukünftig dadurch mehr Wertschöpfung generiert werden kann.