Geschichte

Ein spätberufener Pferdenarr

Vom Eishockeyspieler zu einem der erfahrensten Säumer. Wie Reto Dürst seine Leidenschaft für Pferde und Säumertouren in den Bergen entdeckte.

Wie es dazu kam

Reto Dürst, der Ende der Siebziger- und Anfang der Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts vor allem als HCD-Spieler mit Eishockey in Verbindung gebracht wurde, kam erst als Spätberufener zu den Pferden. Als seine Tochter nämlich ein eigenes Pferd hatte, war es Dürst, der tatkräftig bei den anfallenden Arbeiten im Stall mithalf. Und so kam er auf den Geschmack. 2011 entdeckte er dann die Säumerei und machte seine ersten Touren. Zu Beginn auf bekannten Routen, später jedoch fing er an seine eigenen Säumertreks zu organisieren. Inzwischen gehört Dürst zu den erfahrensten Säumern in der Region.

«Uns zieht es immer wieder ins Gebirge»

Heute lebt Dürst mit seiner Frau in Deutschland und betreibt dort einen Pferdehof mit mehr als zehn Pferden im bayerischen Wald. Im Rahmen des Fests der Sinne von graubündenVIVA führte er im Juli 2019 eine Säumergruppe von Disentis nach Brig und von dort nach Vevey an die Fête des Vignerons, wo am 23. Juli 2019 der Bündner Kantonstag stattfand. Für ihn ein absoluter Höhepunkt des letzten Sommers.

Ein eingespieltes Team

Im Mittelpunkt der ganzen Organisation standen dabei die Tiere, sagt Dürst. «Die Übernachtungen auf der Strecke mussten organisiert werden und wir müssen jeweils wissen, wo die Pferde untergebracht werden können.» Die Tiere müssten zwar nicht in einem Stall sein, so Dürst, aber auch Futter und eine Weide müssten vorab organisiert werden.

Die Gruppe von Säumern mit ihren zwölf Pferden, die Dürst auf dem Trek von Disentis nach Brig leitete, ist ein eingespieltes Team. Mit dieser Säumergruppe sei er regelmässig unterwegs. «Das ist ein Vorteil, weil sich die Tiere schon kennen», sagt Dürst. Und weil sich die Tiere kennen, seien auch keine Kämpfe um die Rangordnung untereinander zu erwarten. In einer frisch zusammengestellten Gruppe sei das jeweils vor dem Start schwer abschätzbar.

Komplett neues Terrain von Disentis nach Brig

Die Strecke von Disentis nach Brig ist für die Säumer unbekanntes Terrain. Deshalb hatte die Gruppe sich vor dem Trek aufgeteilt und einzelne Streckenabschnitte vorab erkundet. So konnte man sicherstellen, dass man nicht plötzlich kurz vor einem Etappenziel umkehren und einen neuen Weg suchen musste, weil die Pferde nicht durchgekommen wären.«Natürlich kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren, wie ein Erdrutsch oder eine Tanne, die plötzlich einen Weg versperrt. Aber wir müssen wissen, ob die Strecke grundsätzlich für die Pferde passierbar ist», sagt Dürst. Nur schon eine Hängebrücke würde eine unüberwindbare Barriere für die Pferde bedeuten.

«Natürlich kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren.»

 

Auch wer sich vorstellt, dass die Säumer bequem auf ihren Pferden durch die Gegend reiten, mache sich eine falsche Vorstellung. Die Säumer gehen neben oder vor ihren Tieren her. «Wenn man auf dem Tier sitzt, sieht dieses dich nicht, wenn man mit ihm läuft, hat man Augenkontakt und Säumer und Pferd werden zu einer Einheit.» Genau das ist der Reiz der Säumerei. Wurde früher möglichst viel Gepäck auf den Rücken der Pferde geschnallt, schaue man heute darauf, die Pferde nicht zu überlasten. Die Pferde tragen ungefähr 50 bis 70 Kilo. Dazu gehören die persönliche Ausrüstung der Säumer wie Kleider, Regenschutz und Apotheke sowie Material für die Pferde wie Decken, Sattel, Hufschuhe etc. Das genüge für die einwöchige Reise wie vor 400 Jahren.