Geschichte

Annatina Pelizzatti: Frauen im Winzerberuf

Annatina Pelizzatti, Winzerin in Jenins, ist eine der ersten Frauen in der Bündner Herrschaft, die ein Weingut führen.

Annatina Pelizzatti aus Jenins lässt ihren Pinot Blanc für gewöhnlich zu einem Viertel in gebrauchten 225-Liter-Barriques reifen und zu drei Vierteln in Edelstahltanks. «Er wird ganz trocken», erklärt sie, «und er überschlägt sich nicht mit Eigengeschmack wie etwa Sauvignon Blanc.»

«Heute arbeiten immer mehr Frauen im Winzerberuf.»

Annatina Pelizzatti hat sich von der Completer-Renaissance packen lassen und vor zwei Jahren 25 Aren unterhalb des Alten Torkels in Jenins mit 1000 Stecklingen vom Plantahof bepflanzt. «Das ist eine spannende, variantenreiche Sorte. Eine Herausforderung!» Die sie mit ihrer Tochter Laura, gelernte Winzerin, gemeinsam annehmen will. 

«Dank Technik können Frauen heute körperliche Nachteile wettmachen.»

 

Das sagt Pelizzatti mit einem gewissen Stolz, denn selbstverständlich oder gar einfach ist dies nicht, wie sie selber erlebt hat. Doch «heute arbeiten immer mehr Frauen im Winzerberuf», meint sie. Der Grund? «Dank Technik können Frauen heute körperliche Nachteile wettmachen.» «Fässli kann man zu zweit stapeln, dann kenne ich ein paar Tricks, und hilft alles nicht, kann ich immer noch einen Mann rufen.» Überhaupt sei alles professioneller geworden. «Heute kann man hier vom Weinbau leben.» Nun stellt Pelizzatti auf Bio um, «den Schritt wollte ich noch machen». Keine Herbizide, kein Kunstdünger. Der Rebberg soll wieder ein echter Lebensraum werden. Die Winzerin will nichts überhasten, die Umstellung langsam vornehmen, «damit die Reben Zeit haben». Und die nächste Generation das Erbe in ganzheitlicher Gelassenheit antreten kann.

Completer - die launische Bünder Ursorte

Die Trauben kann man am Stock hängen lassen, die fressen nicht einmal die Vögel, heisst es über die Bündner Ursorte. Completer ist eine der ältesten Rebsorten, die in der Schweiz angebaut werden. Die Bezeichnung «Completoriumwein» taucht zum ersten Mal 1321 in einem lateinischen Dokument des Domkapitels der Kathedrale von Chur auf.

Completer gilt aber auch als schwierige Sorte. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie sich einst die Mönche gefühlt haben, als sie diesen Wein zur Complet, dem Nachtgebet, als Schlummertrunk vorgesetzt bekamen. Der Wein muss jahrelang im Fass liegen, bevor sich die Säure mit Frucht und Mineralien, Stoff und Aromen verbunden hat. Mit ihrer dünnen Haut sind die Trauben anfällig für Fäulnis. Completer ist launisch: entweder gar keine oder dann zu viele Trauben. Lianenartig verschlungen wie die wilde Rebe, die Zweige brüchig, frühe Blüte, späte Lese ... eigentlich nur Nachteile. Doch die Winzer sind sich einige: „Diese Rebsorte hat eine Riesenzukunft.»

Mehr über den Weinbau von Annatina Pelizzatti erfahren Sie hier.