Geschichte

Velo & Wein

Die Distanzen im Bündner Rheintal sind überschaubar. Es lässt sich so auch hervorragend auf dem Fahrrad erkunden.

Text — Stephanie Elmer

Tagesablauf

FREITAG

Eis- (und) Kunst
Mit einem hausgemachten Glacé der Evviva Plankis Gelateria in der Hand geht’s beschwingt durch die Churer Altstadt mit einem Zwischenstopp im Bündner Kunstmuseum. Dort versetzt man sich mit dem Kunstschaffen von Alois Carigiet oder Giovanni Segantini in die Befindlichkeit der Bündner Berge.

Schlecken & Staunen — Bei Evviva Plankis und im Bündner Kunstmuseum in Chur. 

Sternstunde
In der Gaststube des Hotels Stern in Chur eine währschafte Bündner Spezialität wie Capuns oder Pizokels geniessen. Nach dem Bündner Röteli fällt man in die weichen Federn.

Schlafen — Im Hotel Stern in Chur, Zimmer ab CHF 119.80 pro Zimmer und Nacht. 

 

SAMSTAG

Proviant einpacken
Die Bäckerei Maron produziert hervorragende Backwaren und die Metzgerei Mark hervorragende Fleischwaren – perfekt für einen Proviant.

Einkaufen — Brot und Süsses im Café Maron und Fleisch in der Metzgerei Mark in Chur. 

Alte Katze
Mit dem Proviant schwingt man sich aufs Velo und fährt Richtung Haldenstein, wo die Burg Haldenstein über das Rheintal thront. Das Areal der Burg ist gesperrt, da sie einsturzgefährdet ist, folgt man aber der Strasse, lädt eine Wiese mit Bänkli zur Weitsicht bis zur Burg Lichtenstein, die auch «Katzenburg» genannt wird. Warum? Anschauen und raten!

Velofahren — In Chur Velo mieten und zu den Burgen fahren. dropin-bikeshop.ch, haldensteinerburgen.ch

Der Bruder vom Huhn
Nach der Katze geht’s zum Huhn, beziehungsweise zum Bruder der Henne auf dem Hof der Familie Clavadetscher in Malans. Diese Bruderhähne legen weniger Eier, dafür wird das Fleisch auch verwendet. So werden die Güggeli gross gezogen, anstatt dass sie getötet werden. Der Familienbetrieb produziert aber nicht nur nachhaltiges Fleisch, sondern auch gleich den edlen, biologisch angebauten Wein dazu.

Degustieren & Einkaufen — Die Produkte der Familie Clavadetscher in Malans. Der Hofladen ist samstags geöffnet. 

In der Schwebe
Die Velofahrt führt zur Talstation der gelben Älplibahn. Velo abstellen, ins Bähnli einsteigen und abheben. Im Bergbeizli auf 1801 Meter über Meer lässt sich gemütlich zu Mittag essen. Das Beizli wird jeweils von verschiedenen Küchenteams betreut, zusammengestellt aus rund 200 Mitgliedern des Älplibahnvereins Malans. Zur Verdauung empfiehlt es sich, zu einer Wanderung zu den Sieben Brünnen aufzubrechen.

Essen & Wandern — Mit der Älplibahn von Malans aufs Älpli am Vilan. Fahrt im Voraus reservieren. 

Gin, Gin!
Zurück von der Alp bringt einen der Drahtesel nach Maienfeld und dort zur Destillerie Lipp. Mit viel Herzblut verwandeln Carina und Reto Lipp Früchte aus der Region in edle Tropfen und feine Destillate. Aus Bündner Vogelbeeren wird zum Beispiel edler Gin.

Degustieren — Im Verkaufsladen der Destillerie Lipp in Maienlfeld. 

Im Stall
Zum Tagesabschluss lässt sich die Region mit dem Gaumen entdecken. Der Stall 247 in Maienfeld ist eine Kombination von Bistro und Verkaufsladen und ein buntes Sammelsurium dessen, was die Region kulinarisch zu bieten hat. Die Winzerwurst für den Stall-Hotdog beispielsweise stammt von Jürg Adanks Schottischen Hochlandrindern in Fläsch. Er pflanzt auf seinen Feldern auch Safran an.

Einkehren — Im Stall 247 in Maienfeld, Mi – Fr ab 14 – 22 h, Sa & So 11 – 19 h.

Ab ins Fass
Der Weinbau hat im Bündner Rheintal eine lange Tradition. Und diese ist so verankert, dass man sogar in Weinfässern schlafen kann. Bevor’s ins Fass geht, servieren die beiden Gastgeber auf Wunsch ein Abendessen – selbstverständlich auch mit einer Weinauswahl.

Schlafen — In den Schlaffässern in Maienfeld, ab CHF 180.–, Frühstück inbegriffen. 

 

SONNTAG

Mit Gemütlichkeit
Nach dem herzhaften Frühstück vor dem Weinfass sich aufs Fahrrad schwingen, nach Fläsch pedalen und dort gemütlich durch das Winzerdorf spazieren. Im Herbst lässt sich vielleicht sogar ein Blick auf das violette Meer der Safranfelder von «Et al» erhaschen.

Einkehren — Im Restaurant Pinot in Fläsch bei einem Mittagessen die Region geniessen. 

Geheimtipp

Im Spargelland
Die Spargeln vom Schloss Reichenau sind zwar weiss, jedoch weniger bitter als die klassischen weissen. Der Grund dafür ist beim Winzer Gian-Battista von Tscharner zu suchen. Er lässt die Spargeln aus dem Boden wachsen, ohne sie wie üblich in Dämmen aufzuziehen und zu ernten, sobald ihre Köpfe die Erde durchbrechen. Seine weissen Spargeln wachsen so wie normalerweise die grünen; sie gedeihen ohne Widerstand und entwickeln so wenig Bitterstoffe. Und die Farbe? Weiss bleiben sie, weil sie von Tscharner mit Folie abdeckt.

Saisonal — Die Reichenauer Spargeln sind eine Spezialität im Bündner Rheintal und können von April bis Juni direkt im Schloss Reichenau bezogen werden. 

Wissen

Kleine Weinkunde

Weine in der Bündner Herrschaft
Im Bündner Rheintal werden aus über 42 Rebsorten mehr als 60 verschiedene Weinspezialitäten vinifiziert. Die folgenden Weine sind typisch für die Region.

Blauburgunder 
Die Traube heisst gleich wie der Wein, ist aber auch als Pinot noir bekannt. Anteile davon bauen Winzer in den französischen Holzfässern, den Barriques, aus. 

Federweiss 
Ein aus Blauburgunder Trauben gekelterter Weisswein, also ein Blanc de noir. Nur wenig rote Farbe entweicht aus den Beerenhäuten und wird während der Gärung und Kelterung golden. 

Schiller 
Der hellrote Wein ist ein Cuvée aus Blauburgunder und weissen Trauben, wobei die roten überwiegen müssen.

Rosé
Die Traubenmaische des Blauburgunder Rosé wird abgepresst, bevor die Gärung abgeschlossen ist. Weil sich immer noch wenig Farbstoffe aus den Beerenhäuten gelöst haben, bekommt der Wein seine hellrosa Tönung.

Schaumwein
Der milde, trockene und fein perlende Schaumwein wird aus Blauburgunder als Blanc de noir oder aus Riesling x Silvaner als Blanc de blanc gekeltert.

Marc
Aus den abgepressten Traubenresten, dem Trester, wird Marc destilliert. Der Brand lebt von seinen Fruchtaromen.

Spazieren & Degustieren — Führung von Mai bis Oktober, Freitag 16.30 Uhr, Treffpunkt «Huus vum Bündner Wii» in Jenins, CHF 20.– pro Person.