Geschichte

Genuss & Kultur

Auf der Reise durchs Albulatal verzaubern Preziosen des Geschmacks genauso wie die imposanten Kulturschätze am Wegesrand.

Text — Markus Abt

Tagesablauf

FREITAG

Picknick in der Natur
Bergün macht mit seinen Spezialitäten Lust, den Abend im Freien zu verbringen. Rasch füllt sich der Rucksack mit zartem Kalbfleisch von mit Bergheu genöhrten Kälbern im Grauvieh-Lädeli, mit Wacholder und Tannenzweigen geräucherter Bio-Salsiz im Hoflädeli Plaschair sowie mit Bergkäse und Alpendestillaten im roten Bahnwagen. Oben drauf ein frisches Parc-Ela-Brot von der Bäckerei Preisig – fertig. Fürs Picknick geht’s hoch zum smaragdgrünen Palpuognasee ob Preda.

Einkaufen & Geniessen — Hoflädeli im Dorfkern Bergün, per Bahn bis Preda, um den Palpuognasee und retour, 2 Std.

Schlafen mit Stil
Kurz nach der Eröffnung der Albulalinie 1903 erbaut, sah das Kurhaus in Bergün in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts seinen Stern verblassen. Heute verströmt die sanft renovierte Jugendstilperle wieder epochale Patina. Ein Bergüner Arvenschnaps und eine aus Alpenmilch gemachte Glacé von Balnot aus Surava setzen dem Tag die Krone auf.

Schlafen — Kurhaus Bergün, Zimmer ab CHF 75.– inklusive Frühstück. 

 

SAMSTAG

Romanisches Kirchlein
Umgeben von einem kreisrunden Friedhof thront das romanische Kirchlein St. Johannes in Stugl. Reste frühgotischer, um das Jahr 1300 entstandener Malereien mit dem Kirchenpatron Johannes des Täufers schimmern blass an der Nordfassade. Im Innern leuchten die im 14. Jahrhundert erstellten und in den 1950er-Jahren restaurierten Fresken.

Staunen — In der Kirche St. Johannes in Stugl, mit dem Postauto von Bergün in 20 Min., führt unregelmässig.

Leckeres auf Heidis Spuren
Ein Alp- und Höhenweg mäandert von Stugl hoch zur Heidihütte nach Falein. Diese war Schauplatz der ersten Verfilmung der Alpensaga. In Filisur angekommen, erfrischen im schmucken Bahnhofskiöskli bei Brigitte Grimm eine oder auch zwei Kugeln Filisurer Glacé. Sorten gibt es genug – auch für mehr.

Wandern & Geniessen — Heidiweg von Stugl nach Filisur, 3 1/2 Std., Filisurer Glacé von Bäuerin Nicole Heinrich im Bahnhöfli Filisur.

Von Hof zu Hof
Hinter dem Landwasserviadukt beginnt der Ansaina-Wasserweg zum Hof Las Sorts. Biobauer Marcel Heinrich rekultiviert hier Bergkartoffeln. Im Talboden in Alvaneu Bad geht es bei Rebecca und Cordo Simeon ebenfalls wildromantisch und leidenschaftlich zu. Auf ihrer Ranch Farsox züchten sie Forellen und stellen Fleisch- und Wurstspezialitäten vom Bioweidebeef und Alpschwein her. In den Regalen ihres Hoflädeli finden sich auch Preziosen anderer Bündner Hersteller – etwa Hanflebensmittel von AlpenPionier aus Tschiertschen.

Wandern & Geniessen — Ansaina-Wasserweg bis Alvaneu Bad, 2 Std., vorbei am Hof Las Sorts & Ranch Farsox

Gut gewickelt!
Celina Sonder hütet in Stierva ein gewickeltes Geheimnis. Das Rezept für die Capuns verrät sie ihren Gästen nicht, dafür bedient sie diese in der Ustareia Belavista liebevoll und so, dass auch keiner hungrig vom Tisch geht. Sagenhaft gut!

Essen — Capuns in der Ustareia Belavista in Stierva. Unbedingt Tisch reservieren: T. 081 681 11 75.

Im Privatmuseum
Nach einem Tag reich an Bewegung und Genuss bettet sich’s eigentlich fast von alleine. Praktisch, dass das kleine Privatmuseum des Bauern, Rechenmachers und Volksschriftstellers Tona Candreia-Friberg seine Türen auch für Übernachtungsgäste öffnet. Der Nachfahre Hans Friberger weiss dann auch die eine oder andere Geschichte zu erzählen.

Schlafen — Im Museum Tgesa Rasteler in Stierva, CHF 25.–, auf Anfrage bei Hans Friberger: rasteler@stierva.ch

 

SONNTAG

Kulturschätze
Erhaben thront die 840 erstmals erwähnte Pfarrkirche St. Calixtus auf ihrem Hügel im kleinen Brienz. Sie hortet still einen wunderschönen Schatz: einen spätgotischen Flügelaltar von Meisterhand geschnitzt. Unweit davon aus dem Felsen gehauen, die Burgruine Belfort, wo der Duft von Bergbaldrian, Alpennelke und Wilder Malve die Sinne betört.

Entdecken — Kulturweg Voia Culturala rund um Brienz, rund 2 1/2. Std., den Wegweisern folgen.

Den Korb füllen
Vor der Rückreise wird der Korb im Hofladen Tarogna ein letztes Mal mit Bündner Köstlichkeiten gefüllt. Alpkäse, Lenzer Mutschli oder feine Frischkäse und Fleischprodukte stellen Claudia und Daniel Ulber selber her. Lecker auch ihr Sirup aus Holunderbeeren und Holunderblüten oder für Wagemutige: eine Löwenzahn-Konfi.

Einkaufen für Zuhause — Hofladen La Tarogna in Lantsch. 

Geheimtipp

Kuhtransparenz

Bei Adrian Hirt in Tschiertschen
Die Salsize oder das Berg- und Bündnerfleisch von Adrian Hirt sind schön verpackt, schmecken so gut, wie sie aussehen, und sie sind transparent. Heisst, der Konsument weiss, was im Fleisch drinsteckt. Adrian Hirt verarbeitet nur Mutterkühe aus der Surselva, ohne Zusatzstoffe, Pökelsalz oder Zucker. Nur Rotwein, Alpensalz und Gewürze werden beigefügt, ganz nach dem Rezept seines Urgrossvaters Toni Hassler. Die Rezeptur ist dann auch das einzige Geheimnis, das nicht verraten wird. Denn weder aus der Herkunft der Tiere noch aus Adrian Hirts Laufbahn wird ein Geheimnis gemacht.

Beginnen wir bei Letzterem. Nach seiner Lehre als Chemielaborant machte Adrian Hirt ein Studium als Lebensmittelingenieur, absolvierte ein Praktikum als Metzger und eines auf einem Bauernhof in Kanada. Bis nach Jamaica zog es ihn, wo er Betriebsleiter einer Metzgerei war. Und dann, dann wollte er selbständig werden, gründete vor fünf Jahren «Alpenhirt», sein Baby, wie er sagt, und zieht es fortan mit viel Liebe und Herzblut auf. Genauso wie die Bauern ihre Tiere. Die achtzig regionalen Bauern führen Buch über ihre Tiere, jedes mit Namen und einer Lebensgeschichte. Wer ein Stück Fleisch kauft, gibt dessen Nummer im Netz ein und liest. Zum Beispiel, dass Mutterkuh Mona der Rasse Limousin zwölf Jahre alt wurde, zehn Kälber hatte und neben der Alpweide im Sommer auf dem Hof von Elias Casanova in Siat lebt.

Einkaufen — AlpenHirt in Tschiertschen.