Geschichte

Säumer & Natur

Historische und wilde Geschichten finden sich am Wegesrand der Säumerpfade zwischen dem Misox und der Viamala.

Text — Esther Kern

Tagesablauf

FREITAG

Von Grotto zu Grotto
Wie aus der Zeit gefallen sind die 46 Grotti ob Cama. Die Temperatur in den putzigen Steinhäusern steigt nie über 12 Grad – ideal, um Käse, Wein und Fleisch zu lagern. «Andiamo ai grotti», sagte man früher im Dorf, wenn es darum ging, es sich kulinarisch gut gehen zu lassen. Drei der Steinhäuser sind heute zu Restaurants ausgebaut.

Erkunden & Essen – In Cama in den Grotti Bundi alla Bellavista, Prandi oder Milesi Belloli. 

Durch die Kastanienselven
Im südlichen Bündnerland waren die Kastanien, genau wie im Tessin, früher ein wichtiges Lebensmittel. In Soazza wurden verwaiste Kastanienselven wieder freigelegt. 26 der Bäume rund um das Dorf gelten als monumental und haben einen Umfang von über sieben Metern. Bei einem Spaziergang kann man also Bäume umarmen und dabei eine Ahnung von natürlicher Schöpfung bekommen und gleichzeitig ein Stück kulinarische Geschichte erfahren.

Spazieren – Direkt oberhalb des Dorfes Soazza beginnen die Kastanienselven, Kastanienhonig gibt es bei alpinavera.

Im historischen Hotel
Einst erholten sich hier Säumer von den Strapazen ihrer Reise. Nach dem Ende der Säumerei diente das Weiss Kreuz als Bauernhaus. Im Jahr 2000 wurde es – frisch renoviert – als Hotel eröffnet. Altes wurde erhalten, Neueres teilweise rückgebaut und mit neuen Funktionen ergänzt. Das Resultat: Geschichte zum Anfassen, inklusive imposanter Holzdielen, die schon knorzten, als müde Säumer einst ihre Füsse draufsetzten.

Übernachten – Im Swiss Historic Hotel Weiss Kreuz in Splügen, ab CHF 124.–.

 

SAMSTAG

Auf Säumerpfaden
Die Aussicht durch die grossen Fenster im Weiss Kreuz kitzelt die Wanderlust bereits während des Frühstücks. So geht es entlang des alten Säumerpfades nach Sufers und von dort hoch zum Lai da Vons und via Maiensäss Promischur nach Andeer. Das sei die schönste Route, sagen Einheimische, schöner als die direkte Säumerroute Sufers-Andeer.

Wandern – Von Splügen nach Sufers über Promischur bis Andeer, 6 Std., Einkaufen in der Sennerei Splügen oder Sufers.

In der Sennerei
Wer in die Stizun da Latg eintritt, merkt: Hier walten Sorgfalt und Hochgenuss. Frischer Joghurt, daneben Bio-Delikatessen zumeist aus dem Bündnerland. Und rund 25 Sorten Käse, die direkt im Haus hergestellt werden. Maria Meyer und Martin «Floh» Bienert führen die Sennerei seit 17 Jahren. Verkaufshit ist der Andeerer Traum. «Weil er mal Weltmeister war», sagt Floh. Weltmeisterlich schmecken aber auch die anderen Käse – mit denen Maria und Floh auch Sterneköche zu begeistern wissen.

Einkaufen – In der Stizun da Latg in Andeer, Mo – Sa 8 – 12 h, ausser Di auch von 14 – 18 h, Sa bis 16 h geöffnet. 

Im Heilbad
Zimmer beziehen und ab ins Heilbad Andeer – wo schon Karl Marx sich wohlig im warmen Wasser geräkelt haben soll. Die Badarchitektur ist kein Highlight, aber die Aussicht ist ein Genuss.

Entspannen & Übernachten – Im Hotel Fravi mit Heilbad in Andeer, ab CHF 137.–. 

Geschichte erleben
Erwin Dirnberger hat in der Casa Storica in Andeer ein altes Wohnhaus zum Museum umfunktioniert. Er sammelt Säumerbriefe, Kleider und Dinge, die die Geschichte der Region erzählen, und erweckt diese mit szenischen Führungen zum Leben. Auf Wunsch verbunden mit einer Merenda (Zvieri), für die Lokales auf den Tisch kommt.

Entdecken – Casa Storica in Andeer, Gruppen auf Vorreservation, Einzelpersonen nach Dorfführung, Mi 17 – 19 h. 

SONNTAG

Auf der Via Spluga
Den Wegweisern der Via Spluga nach, geht es von Andeer durch die Viamala-Schlucht nach Thusis. Unterwegs auf die vielen Wildkräuter achten und auf die weiss-rot-weissen Wanderwegmarkierungen! Diese wurden vom Künstler Stefan Rüesch aufgehübscht.

Wandern – Von Andeer nach Thusis durch die Viamala-Schlucht, ca. 6 Std., App zur Kräuterbestimmung.

2 Pause in der Casa Caminada
Mit Schloss Schauenstein in Fürstenau ist Andreas Caminada als Koch bekannt geworden. 2018 hat er nebenan die Casa Caminada eröffnet. Sie ist Bäckerei, Café, Restaurant und Hotel gleichzeitig. «Ziel ist, dass hier alle zusammenfinden», sagt Andreas Caminada. So kann man hier auch in Wanderkluft schnell einkehren und im Laden frisches Brot aus Bündner Getreide kaufen.

Essen – In der Casa Caminada in Fürstenau, mit Restaurant, Hotel, Bäckerei und Delikatessen-Laden. 

Geheimtipp

Die modernen Selbstversorger
Rebecca Clopath erklärt die Tatsache, dass sie ihre stets ausverkauften Tavolatas mittlerweile nur noch mittags anbietet. Und wer ihre Küche geniessen möchte, dem empfiehlt sich tatsächlich, den Tag voll und ganz dafür freizuhalten. Nach Jahren in Spitzenrestaurants kam die Avantgardeköchin Rebecca Clopath zurück nach Lohn im Schamsertal, wo sie in einem kleinen, kuscheligen, aber auch stilvoll gestalteten Gastraum ihre Form der Naturküche unter dem Namen «Esswahrnehmungen» zelebriert. Das kulinarische Highlight geht weit übers Essen hinaus, erlebt man bei ihr ein authentisches und doch so anderes Stück Bündnerland direkt ab Scholle.

Aktuell übernimmt sie gerade den Bauernhof Taratsch in Lohn, gemeinsam mit zwei Freunden. Ein visionäres Projekt, denn die drei möchten den Hof so führen, dass alle Lebensmittel vor Ort produziert und auch verkauft werden. In der einfachen Stivetta werden saisonale Mittagessen, hausgemachtes Glacé und Apéros serviert. Bei den Esswahrnehmungen im Frühling und Herbst gibt’s einen lokalen Neungänger, für den auch Gäste aus dem Ausland extra anreisen. Zudem vermittelt Rebecca Clopath in Workshops zu Themen wie Joghurt oder Brot viel Wissen über Kulinarik im Alpenraum.

Essen — Bei Rebecca Clopath auf dem Biohof Taratsch in Lohn, Esswahrnehmung auf Voranmeldung, Stivetta geöffnet Jan, Feb, Jul, Aug: Di, Sa 11 – 18 h.

Schlafen — Im Legreia B&B  in Lohn, ab CHF 86.–.