Blauburgunder

Landwirtschaftliches Produkt

Quelle: Tscharner, Reichenau

Benennung

Typ

  • Familie
  • Gattung
  • Typ

Systematik

Pinot Noir, Clevner, Klevner, Salvagnin, Cortaillod

Characteristika

Eine sehr alte Rebsorte, nah verwandt mit den Wildreben Westeuropas, die bereits im Mittelalter im Burgund, in Zentralfrankreich und ab dem 17. Jahrhundert auch in Graubünden zunehmend eine wichtige Rolle spielten. Viele Weinliebhaber sind der Meinung, dass die Bündner Herrschaft eines der besten Terroirs wegen der durchlässigen Böden aus Kies, Sand und Schiefer für Blauburgunder hat. Dazu kommt noch das ideale Klima des Bündner Rheintals, das vom Föhn und den Temperaturunterschiedenen zwischen Tag und Nacht geprägt ist. Die ziemlich grossen Kerne der blauschwarzen kugelförmigen Beeren spielen in der Weinbereitung bei der Extraktion der Tannine eine bedeutende Rolle. Diese polyvalente Rebsorte ergibt sämtliche Weintypen und eine grosse Vielfalt je nach Anbautechnik, Boden oder Weinbereitung. Als expressiver und vielschichtiger Rotwein wird der Blauburgunder aus dem Churer Rheintal und aus den vier Gemeinden Malans, Jenins, Maienfeld und Fläsch beschrieben, wobei dem Blauburgunder gleichzeitig der Status einer sehr empfindlichen, dünnhäutigen Rebsorte verliehen wird. Die regional am weitesten verbreitete Blauburgundertraube verzeiht keine Fehler und verlangt nach tiefen Erträgen und schonender Behandlung. Vom Blauburgunder gibt es auch in der Bündner Herrschaft verschiedene Klone, beispielweise den Klon 2-45 wie auch 10-5, die als dichtbeerig beschrieben werden. Ein anderes Beispiel ist der Klon Mariafeld, der durch die lockeren Trauben und daher geringeren Anfälligkeit gegen Botrytis charakterisiert ist.

Geschichtliches

Einer Legende nach war es der Herzog Henri II. de Rohan, auch Duc de Rohan genannt, der den Blauburgunder in die Bündner Herrschaft brachte. Bis weit ins Mittelalter wurde in Graubünden nur Weisswein gekeltert, bis die Burgundertraube mit Herzog von Rohan, der im Dreissigjährigen Krieg im Bündnerland kämpfte, in die Herrschaft kam. Auch den Bündner Bauernsöhnen und den Bündner Offizieren sei es einer anderen Legende nach zu verdanken, dass sie die Pinot-Noir-Traube in die Herrschaft brachten, nachdem sie in Frankreich Kriegsdienst leisteten und diese als heimkehrende Söldner aus dem Burgund in die Herrschaft importierten. Anderen Quellen nach wurde die blaue Burgunderrebe im 17. Jahrhundert durch die schweizerischen Reisläufer ins Alpenrheintal gebracht und verdrängte rasch die ausschliesslich weissen Rebsorten wie Elbling, Heunisch, den weissen Veltliner und Completer, die in Graubünden damals angebaut wurden. Oft mit dem Ehrennamen Bündner Rheinwein bezeichnet, wird der Blauburgunder-Rebe hier im alpinen Raum Graubündens vor allem durch den Einfluss des Föhns und der Bodenqualität die besondere Qualität zugeschrieben.

Verwendung

Sämtliche Weintypen werden in Graubünden aus der polyvalenten Rebsorte Pinot Noir gekeltert: Schaumweine, Blanc de Noir, Rosé sowie leichte und schwere Rotweine. Sortentypisch sind die Rotweine vielschichtig, geprägt von roten Beeren und leicht würzigen Noten. Der elegante, mittelschwere Blauburgunder aus der Herrschaft lässt sich ideal mit hellerem Fleisch kombinieren. Sortentypische Aromen von Erdbeere, Himbeere, Kirsche. Als Beerliwein wird eine Spezialität in der Ostschweiz, vor allem der Bündner Herrschaft, bezeichnet, die ausschliesslich aus Blauburgunder zubereitet wird. Der Wein wird vor dem Abschluss der Mostgärung sur lie vom Fass in die Flaschen gefüllt. Der gäraktive Rest von Zucker und Hefe im Wein bildet in den verschlossenen Flaschen Kohlensäure, sodass der Wein beim Einschenken leicht moussiert.

Die Bündner Blauburgunder sind sowohl ideale Begleiter zum Bündnerfleisch und den Bündner Salsiz-Spezialitäten als auch zu gebratenem kräftigem Fleisch und Wild. Der Wein passt wunderbar auch zu Bündner Alp- und Bergkäse, den Bündner Edelkastanien und Gerichten mit Bündner Sommer- und Herbsttrüffeln.

Bezugsquellen

Schweiz

Bilder

Quelle: Tscharner, Reichenau Quelle: Plantahof

Quellen der Recherche

Beschreibung

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