Bündner Strahlenziege

Landwirtschaftliches Produkt

Quelle: SZZV

Benennung

Typ

  • Familie
  • Gattung
  • Typ

Systematik

Strahlenziege, Bündner Ziege, Schwarze Gebirgsziege, chaura strala grischuna

Characteristika

Die stolze Bündner Strahlenziege ist anthrazit bis tiefschwarz mit weisser Maulpartie, weissem Spiegel und weissen Stiefeln. Die zwei vom Horngrund bis zur Nase verlaufenden weissen Streifen, auch Strahlen genannt, verleihen der Strahlenziege ihr unverwechselbares Aussehen und der Rasse ihren Namen. Ursprünglich war die Bündner Strahlenziege gehörnt. Erst durch das Einkreuzen mit British Alpine aus England kam das Gen für Hornlosigkeit in die Rasse. Zum Glück ziehen jedoch die Mehrheit der Züchter die originale, behornte Ziege vor.

Der Bündner Ziege, wie sie früher auch genannt wurde, sagt man nach, dass sie eine enge Beziehung zu ihrem Halter aufbaut und ihre Anhänglichkeit auch nach langen Alpsommern mit extensiver Haltung nicht verliert. Sie ist eine robuste und temperamentvolle Ziege, die bestens an Gebirgsregionen angepasst ist. Sie besitzt einen stark ausgeprägten Herdentrieb und fühlt sich in grossen Herden mit 30 bis 100 Tieren am wohlsten. Sie liebt zwar schöne Weiden, bevorzugt aber meist steiles Gelände, um zu den kräuterreichen Gebieten zu gelangen. Sie wird als Milch- und Fleischziege eingesetzt. Ihre Milchleistung ist mit 500–600 kg zwar nicht maximal. Die Bündner Strahlenziegen zeigen aber auch dann gute Milchleistungen, wenn sie bei rauem Klima lange Märsche zu den Weiden zurücklegen müssen. Die Rasse wird auch für ihr Fleisch gezüchtet und spielt zudem eine grosse Rolle in der Landschaftspflege. Dank der Bündner Strahlenziege kann auch unwegsames Gelände vor Vergandung bewahrt werden.

Die Widerristhöhen liegen bei den Geissen bei 75 cm, bei den Böcken bei 85 cm.
Die Gewichte liegen bei den Geissen bei 55 kg, bei den Böcken bei 75 kg.

Geschichtliches

Kaum eine Rasse war vom Aufstieg und Zerfall der Ziegenzucht so stark betroffen wie die Bündner Strahlenziege. 1938 gab es noch keine einzige Zuchtgenossenschaft beziehungsweise Zuchtstation mit Bündner Strahlenziegen. Während des Zweiten Weltkriegs und danach stieg jedoch die Anzahl der Herdebuchtiere und der Genossenschaften stark. In den fünfziger Jahren nahm die Zahl der Züchter und mit ihnen die Menge der Strahlenziegen bereits wieder ab. Auch in den folgenden Jahrzehnten spürten die Ziegenhalter den Gegenwind. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Rückgang der Ziegen im Allgemeinen und der Bündner Strahlenziege im Besonderen von aussen ausgelöst wurde. Die Ziege blieb in Typ und Leistung etwa dieselbe, aber die Gesellschaft rund um sie herum wandelte sich. Der traditionelle Bergbauernhof mit Pferd, Kühen, Schweinen, Hühnern, Schafen und Ziegen veränderte sich; er entwickelte sich je länger, desto mehr zum straff geführten, rationellen Wirtschaftsbetrieb, auf dem die arbeitsintensiven und Unannehmlichkeiten verursachenden Meckerer wegrationalisiert wurden. Mit dem Anstieg des Lebensstandards der Arbeiterfamilien wurde die Ziege als Milchlieferantin überflüssig. Im Graubünden leistete die Strahlenziege als robuste und sehr gehfähige Gebirgsziege einen wichtigen Beitrag zur Milchversorgung der Bauernfamilie im Sommer, während die Kühe auf der Alp weilten.

Aus welcher Rasse die Strahlenziege hervorgegangen ist und seit wann sie ihre rassenspezifischen Merkmale zeigt, ist unklar. Man vermutet, dass sie durch Selektion aus den vorkommenden Lokalschlägen der Gebirgsziege entstanden ist. Die erste urkundliche Erwähnung durch J. Andrea, Landwirtschaftslehrer am Plantahof in Landquart, findet man aus dem Jahre 1913. Dort wird sie als «schwarze Gebirgsziege» bezeichnet. Seit 1938 ist die Strahlenziege eine anerkannte, eigenständige Rasse.

Vorkommen & Verbreitung

Erlebnisregionen graubündenVIVA

Verwendung

Seit Jahrhunderten gilt das traditionelle Ostergitzi als Delikatesse, ohne welches man sich ein Osterfest nicht vorstellen konnte. Doch was früher häufig als ein «Arme-Leute-Festessen» angesehen wurde, ist heute längst zu einer raren Spezialität geworden.
Das Projekt Herbstgitzi der seltenen Bündner Strahlenziege wurde durch die Stiftung ProSpecieRara zusammen mit dem Ziegenzuchtverband Graubünden lanciert und dauerte von 2011 - 2018. Es soll die bedrohte Geissenrasse unter dem Motto «Erhaltung durch Aufessen» fördern. Beim Schweizer Herbstgitzi handelt es sich um qualitativ hochwertiges Ziegenfleisch. Denn die Jungtiere haben den Sommer über auf der Weide, meist im Berg- und Alpgebiet, verbracht, wo sie sich an saftigen und vielfältigen Kräutern gütlich tun konnten. Das Fleisch der auf diese Weise äusserst artgerecht gehaltenen Gitzi wird dadurch kräftiger und aromatischer als das der traditionellen Ostergitzi und bleibt gleichzeitig feinfaserig und zart. Das Fleisch eignet sich hervorragend für die Zubereitung im Ofen, auf dem Grill oder in der Pfanne. Wichtig ist, dass es gut geschmort wird. 2019 ist das Projekt in die "Selbstständigkeit" entlassen worden: ProSpecieRara hat die administrative Leitung an eine engagierte Züchterin aus dem Bündnerland abgegeben. Sie koordiniert die Lieferanten und Metzgereien und bewirtschaftet den Webshop "herbstgitzi.shop", mit Unterstützung durch ProSpecieRara.

Gitzifleisch enthält nur wenig Fett, ist cholesterinarm und enthält wertvolle Eiweisse. Es gilt daher als sehr gesund und ist auch für linienbewusste Geniesser bekömmlich.

Mehr zur Verwendung des Gitzifleischs finden sie auf der Website Schweizer Gitzi

Auch die Ziegenmilch erfreut sich grosser Beliebtheit, weil sie – wie die daraus hergestellten Produkte – lactosearm und leicht verdaulich ist sowie Eiweisse und Caprinsäure enthält.

Bezugsquellen

Herbstgitzi Projekt

Schweiz

Bestellungen können ab 2019 direkt online mittels Bestelltalon getätigt werden. 

ProSpecieRara

Schweiz

Rassenspezifisch ist die Vermarktung sonst meist direkt über den Züchter möglich. ProSpecieRara bietet online ein Verzeichnis «Karte der Vielfalt» an, wo sich die Züchter eintragen können. Dort können dann Züchter nach Region gefunden werden.

Bilder

Quelle: SZZV Quelle: SZZV Quelle: SZZV Quelle: SZZV

Quellen der Recherche

Beschreibung

Flammer, D. und Müller, S. (2012). Das kulinarische Erbe der Alpen. Aarau: AT-Verlag.

 

Beschreibung

Lehmann, P. und Rehazek, A. (2015). Ziege. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Abgerufen am 1.10.2019 von Link

 

Beschreibung

ProSpecieRara (o.J.). Bündner Strahlenziege. Abgerufen am 27.7.2019 von Link

 

Beschreibung

Schweizerischer Ziegenzuchtverband (SZZV) (o.J.). Abgerufen am 27.7.2019 von Link

 

Beschreibung

Weiss, U. (Hrsg.) (1996). Schweizer Ziegen.