Completer

Landwirtschaftliches Produkt

Quelle: Plantahof

Benennung

Typ

  • Familie
  • Gattung
  • Typ

Systematik

Malanser Rebe, Malanserrebe (GR), Lindauer (früher in Schaffhausen, Thurgau, Zürich), Zürirebe (Zürichsee; gilt heute eher für Räuschling).

Characteristika

Completer ist eine der ältesten weissen Rebsorten der Schweiz. Der Name geht vermutlich auf «completorium» zurück: die Komplet, das abendliche Gebet der Mönche, zu dem diese als Schlummertrunk ein Glas Wein erhielten. Completer gilt als schwierige Sorte. Es gibt entweder viele Trauben oder fast keine, die Säure ist kräftig (braucht jahrelang im Fass), dünne Haut der Beeren ist anfällig für Fäulnis. Ausgedehnte Vegetationszeit mit früher Blüte (Frostgefahr) und später Lese – eine unmögliche Sorte, die deswegen fast verschwunden ist. Doch seit den 2010er Jahren hat sie eine Renaissance erlebt.

Je nach Ausbau kann man Completer jahre- bis jahrzehntelang im Keller lagern. Geschmack von knackigem Weisswein bis zu reifem, durchaus opulentem und dennoch trockenem Dessertwein. Üppige Struktur, kraftvolle natürliche Säure, Neigung zu Oxidation. Fällt die Lese spät aus, kann der Wein einen hohen Alkoholgehalt erreichen.

Geschichtliches

Completer gilt als autochthone Bündner Rebe, könnte aber auch aus Italien stammen, in dem Fall wohl eingeführt von Mönchen des Klosters Pfäfers, das einst Boden in Italien besass. 1321 in einem Dokument des Domkapitels von Chur erstmals erwähnt. Die Sorte war in der Deutschschweiz vertreten (siehe 1), aber auch im Oberwallis, wie der Ampelologe José Vouillamoz herausgefunden hat: Dort hiess sie «Kleine Lafnetscha» bzw. «Grosse Lafnetscha». Vouillamoz konnte 2004 nachweisen, dass Completer ein Elternteil der Sorte Lafnetscha ist, einer natürlichen Kreuzung mit der alten Walliser Sorte Humagne (1313 erwähnt). Die Eltern der Sorte Completer hat Vouillamoz durch Genanalyse nicht identifizieren können, was unterstreicht, dass die Sorte sehr alt sein muss. Der Ampelologe: «Es ist denkbar, dass die Completer unabhängig nach Graubünden und in das Oberwallis eingeführt wurde, wo die alten Rebstöcke immer noch auf italienische Art in Weinlauben angeordnet werden.»

Durch natürliche Kreuzungen mit Bondola (Tessin) wurde Completer Elternteil der Bondoletta im Tessin sowie der Hitzkirchner im Luzernischen.

Completer wurde beinahe aufgegeben, nur wenige Rebstöcke überlebten. Die Completer-Kellerei Giani Boner besitzt mit hundertjährigen Stöcken eine der wenigen wurzelechten Reben in der Schweiz. Auch das Landwirtschaftszentrum Plantahof hielt der Rebsorte die Treue. Ein Renner war Completer aber nie. So steht im «Buch vom Schweizer Wein» von 1943: «Erwähnt sei noch ein Weisswein, der ‹Completer›, der, abgesehen von einzelnen eingestreuten Reben, heute nur noch an der bekannten Completerhalde in Malans zu treffen ist. Man erntet die Trauben erst spät im November, wenn die Beeren edelfaul und so weit eingetrocknet sind, dass der Saft 120 bis 130 Grad Oechsle erreicht. Nach langem Ausbau gibt es einen vorzüglichen Wein mit dem ausgesprochenen Bukett der Edelweine am Rhein. In geringen und mittleren Jahren aber bleibt der Wein […] ein kleiner und oft saurer Weisswein.»

Noch im 20. Jahrhundert wurden Completer-Stöcke ausgerissen und durch weniger sperrige Sorten ersetzt. Dank der Professionalisierung der Betriebe und der Entwicklungen im Rebberg und im Keller (Ausbildung, Technologie) lernte man den Umgang mit der alten Sorte zu verbessern. So weit, dass Winzer Martin Donatsch (Malans) dem «Tages-Anzeiger» verkündete: «Mit Completer kann man die internationalen Weingrössen aufs Glatteis führen.» (26.10.2013). Mittlerweile bewirtschaftet Donatsch mit ca. 6000 m2die grösste Completer-Fläche in der Schweiz (2017). 

Vorkommen & Verbreitung

Erlebnisregionen graubündenVIVA

Verwendung

Wie zahlreiche Weissweine je nach Ausbau zum Apéro, als Essensbegleiter oder zum Ausklang eines feinen Abends. Eine gewisse Eigenwilligkeit, die je nach Arbeit im Rebberg und im Keller stärker betont werden kann oder auch nicht, wird von den einen geschätzt und von anderen abgelehnt.

Bezugsquellen

Jan Domenic Luzi
Weingut Sprecher von Bernegg

7307 Jenins
Schweiz

Plantahof Weinbau

7302 Landquart
Schweiz

Thomas Donatsch
Weingut Donatsch

7208 Malans
Schweiz

Weinbau von Tscharner - Schloss Reichenau

7015 Reichenau
Schweiz

Andrea und Anita Lauber
Lauber Weinbau

7208 Malans
Schweiz

Luzi Boner
Weinbau & Brennerei zur Krone

7208 Malans
Schweiz

Bilder

Quelle: Plantahof Quelle: Plantahof Quelle: Plantahof Quelle: Plantahof

Quellen der Recherche

Beschreibung

Aeberhard, M. (2005). Geschichte der alten Traubensorten – Ein historisch-ampelographischer Rückblick. Solothurn: Aarcadia-Verlag.

 

Imhof, P. Der komplett unterschätzte Wein. «Tages-Anzeiger» (26. Oktober 2013).

 

Plantahof, Fachstelle Weinbau (2018). Das Rebjahr 2018 in Graubünden. Abgerufen am 26. Juni 2019 von Link

 

Schellenberg, A. (Hrsg.) (1943). Das Buch vom Schweizer Wein. Basel: Basler Berichthaus AG.

 

Vouillamoz, J. (2017). Cépages suisses – Histoires et origines. Lausanne: Editions Favre SA.