Heidelbeere

Landwirtschaftliches Produkt

Quelle: Peter Enz

Benennung

Typ

  • Familie
  • Gattung
  • Typ

Systematik

Gemeine Heidelbeere, Waldheidelbeere, Blaubeere, Druidenbeere, Mirtillo nero, Myrtille

 

Romanische Bezeichnungen
izun, izun da guaud, izun nair  (Rumantsch grischun); izun, nizun  (Sursilvan und Sutsilvan); uzun da god, anzola  (Puter und Vallader); izung (Surmiran)

 

Schweizer Regionalnamen

Āpperi,​ Heiber(i); Blaui Beeri, Blai Beeri, Bloi Beeri UR, NW, OW; Heidelber(i), Häidelbeeri, Hädebeeri ZH Oberland; Heide(n)beri; Heitenberi, Heitiberi, Heitliber(i); Heubeeri voralpines ZG, LU, NW; Heupeeri alpine Zentralschweiz; Höipeeri ZH südlicher Kantonsteil gegen Schwyz; Chadenber(i), Cheidelber(i) 

 

Characteristika

Die Heidelbeere ist ein sommergrünes Sträuchlein mit kleinen lanzettlichen, fein gesägten Blättchen, welches bis 50 cm hoch werden kann (je nach Höhenlage und Nährstoffangebot). Die Austriebe im Frühjahr und die einjährigen Ästchen sind frisch grün und geflügelt. Die zartrosa Blüten öffnen sich zwischen April und Juni, sie stehen einzeln in Blattwinkeln, sie haben zurück geschlagenen Kronblattzipfel. Während der Blütezeit sind die Blüten sehr fragil betreffend Spätfrost, so kann es vorkommen, dass ganze Hänge ohne Fruchtbehang bleiben. Die kleinen, kugeligen Früchte reifen ab August, sie sind dunkelblau, mit einem Hauch von Reif und haben einen Durchmesser von 5 bis 8 mm je nach Verfügbarkeit von Wasser. Das Fruchtfleisch und der Saft sind dunkelblau.

Bei den Heidelbeeren aus Plantagen (Supermarkt und auch zum Selberpflücken) handelt es sich um die amerikanische Heidelbeere (Vaccinium corymbosum), auch Blueberry genannt. Diese ist botanisch nicht mit unserer einheimischen, wildwachsenden Heidelbeerart verwandt. Die Früchte der amerikanischen Heidelbeere sind bedeutend grösser, das Fruchtfleisch und der Saft sind farblos. Die Blueberries werden weltweit in Plantagen (USA, Kanada, Peru, Spanien, Mexiko, Polen, Deutschland und Neuseeland) kultiviert und exportiert. So sind bei uns das ganze Jahr über frische Früchte verfügbar, jedoch mit der entsprechend negativen Ökobilanz.

 

Geschichtliches

Als Obst war die Heidelbeere unseren Vorfahren schon bekannt. Hildegard von Bingen erwähnt in ihrem Werk „Physica“, dass die „Heydelbeere oder Waltbeere“ nach medizinischen Grundsätzen dem Mensch „eher schädlich als nützlich ist, bei reichlichem Genuss sogar giftig ist“. Hieronymus Bock meinte 1539, dass die Heidelbeere „mehr nützlich seien zur Speiss denn zur Artzney“.

Hager (1916) beschreibt aus der Surselva einige Regionen als einträgliche Erntegebiete, sie wurden mit dem heute verbotenen Heidelbeer – Rechen bewirtschaftet, vor allem durch die ärmliche Bevölkerung.

Gemäss Stoll et al. wurden in den bayerischen Wäldern bis 6000 Tonnen frische Heidelbeeren gepflückt und vermarktet. Die polnischen, gefrorenen Waldheidelbeeren sind ein wichtiges Exportprodukt. Unsere Heidelbeere eignet sich nicht für Plantagen; durch „optimale Düngung“ verringern sich die Quantität und die Aromastoffe.

 

Verwendung

Es sollen nur schön reife Früchte geerntet werden, ab Juli (je nach Höhenlage). Roh gegessene Früchte der einheimischen Heidelbeere ergeben eine Blaufärbung von Mund und Zähnen, beim Verzehr von rohen Amerikanischen Blueberries ergibt sich keine Blaufärbung. Erst bei der Verarbeitung der Blueberries mit der Haut (Kochen, Gären, etc.) erhält man einen blauroten Saft/Konfitüre.

 

Die einheimische Heidelbeere ist vielseitig verwendbar und gilt als „kleines, blaues Wunder“ oder modern gesagt „Superfood“: Frisch und roh für Milch, Jogurt, Pudding und Glacé. Getrocknet und / oder tiefgefroren ins Müesli, in Kuchen, Mehlspeisen und Gebäcke. Gekocht können Heidelbeeren zu Konfitüren, Kompott und ähnlichem verarbeitet werden. Ebenso können Sirup, Liköre, Wein und Essig hergestellt werden. Der Autor kann sich auch ein exklusives Heidelbeer-Chutney vorstellen, sofern Heidelbeeren im Überfluss vorhanden sind.

Zu erwähnen ist auch der weit über das Valsertal hinaus bekannte Heidelbeerkuchen des Restaurant Zevreila in Vals/Zervreila GR. Nach telefonischer Auskunft (12.8.20) der Besitzerfamilie Gartmann stammt leider nur ein kleiner Teil der verarbeiteten Heidelbeeren aus dem Valsertal. Für ihren bekannten Heidelbeerkuchen verwenden die Gartmanns keine Kulturheidelbeeren. So findet man im Zervreila-Heidelbeerkuchen nebst den Valser Heidelbeeren auch gefrorene, wild gesammelte Heidelbeeren aus Schweden und Kanada.

 

Die amerikanischen Blueberries können punkto Inhaltsstoffe bei weitem nicht mit den einheimischen Heidelbeeren mithalten. Die heimischen Heidelbeeren enthalten höhere Mengen an Pektinen, Phytaminen (Anthocyane, Gerbstoffe und Fruchtsäuren), Vitamine C, Provitamin A, Vitamin-B-Komplexe und Mineralstoffe (Chrom, Kalium, Calcium, Eisen, Zink, Kupfer, Mangan, Natrium und Phosphor).

 

Als Medizinpflanzen werden die Blätter und Früchte verwendet. Gerade die färbenden Inhaltsstoffe, die sogenannten Anthocyane (bei den Amerikanischen Blueberries nur in der Haut vorhanden), unterstützen das Immunsystem, schützen das Erbgut und bewahren die Zellstrukturen vor Schäden und Alterung durch die Bindung freier Radikalen. Frische Früchte fördern die Verdauung, hingegen stoppen die getrockneten Heidelbeeren den Durchfall.

 

Die grünen Triebe verwenden die Floristen gerne in Gestecken.

 

Bezugsquellen

Direktverkauf

Schweiz

Manchmal auch Strassenverkauf entlang der Bündner Pässe
Wochenmärkte Chur und Ilanz
Diverse Hofläden so u.a.Hof Turisch (Heidelbeer-Konfitüren und tiefgekühlte Heidelbeeren)

 

Selber sammeln

Schweiz

Achtung Heidelbeere nicht mit der Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) verwechseln, welche allerdings einen farblosen Saft und nicht besonders schmeckt, Blätter sind nicht frischgrün sondern eher blaugrünlich.

 

Köstlichkeiten aus Graubünden
Scarnuz Grischun

Schweiz

Vor über zwei Jahrzehnten haben sich initiative Bündner Bäuerinnen zusammengeschlossen und vertreiben seither ihre selbst hergestellten Spezialitäten im typischen Papiersack, dem Scarnuz.

 

Bilder

Quelle: Peter Enz Quelle: Beat Bäumler

Quellen der Recherche

Beschreibung

Anonym (1990); Obst und Früchte von A-Z,  200 farbige Abbildungen; Anbbau, Pflege, Ernte, Verwertung; MK Edition München; Zürich; Sonderausgabe für die Editiions M/ Koordination Presse Migros

 

Bott Giachem et al. (Mai 2015); Namen der Bäume und Sträucher in Graubünden in sechs Sprachen; Faktenblatt 18; Chur; Amt für Wald und Naturgefahren

 

Braun- Blanquet Josias, Rübel Eduard (1933); Flora von Graubünden, Zweite Lieferung, Veröffentlichungen des Geobotanischen Institutes Rübel in Zürich, 7. Heft; Bern und Berlin; Verlag Hans Huber

 

Höhn – Ochsner Walter (1986); Pflanzen in Zürcher Mundart und Volksleben; Viertelsjahrschrift der Naturforschenden Gesellschaft Zürich (1972); Verlag Hans Roth Zürich

 

Fleischhauer Steffen Guido (2010); Kleine Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen – 1000 Pflanzen tabellarisch, mit 300 Farbfotos; Aarau und München; AT Verlag
 

Greiner Karin (2016); Superfood Heimische Wildpflanzen – Power aus Garten, Wald und Wiese; Stuttgart; Eugen Ulmer KG Verlag

 

Hager Karl (1916); Verbreitung wildwachsenden Holzarten im Vorderrheintal (Kanton Graubünden), Lieferung 3, Erhebungen über die Verbreitung der wildwachsenden Holzarten in der Schweiz im Auftrage des schweizerischen Departement des Innern; Bern; Buchdruckerei Büchler & Co

 

Rhiner Josef (1866): Volksthümliche Pflanzennamen der Waldstätten nebst Gebrauch - und Etymologieangaben; Selbstverlag, Druckerei Gebrüder Triner Schwyz

 

Schermaul Erika (2005); Paradiesapfel und Pastorenbirne – Bilder und Geschichten von alten Obstsorten; Ostfildern, Jan Thorbecke Verlag

 

Stoll Karl / Gremminger Ulrich (1986); Besondere Obstarten – Vom Reichtum seltener, südländischer und wildwachsender Früchte; Stuttgart; Eugen Ulmer Verlag

 

Heilpflanzen (o.J.) Heidelbeere. Abgerufen am 9.8.2020 von Link

 

Idiotikon (o.J.) Heidelbeere. Abgerufen am 9.8.2020 von Link

 

Infoflora (o.J.) Vaccinium myrillus. Abgerufen am 8.8.2020 von Link​​​​​​​

 

Wikipedia (o.J.) Heidelbeere. Abgerufen am 9.8.2020 von Link​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​