Nera Verzasca

Landwirtschaftliches Produkt

Quelle: ProSpecieRara

Benennung

Typ

  • Familie
  • Gattung
  • Typ

Systematik

Verzaschese, Nera di Verzasca, Nera-Verzasca-Ziege, Calancasker -Ziege, naira verzasca

Characteristika

Die schöne, reinschwarze Alpziege hat ein kurzes, sehr feines und glänzendes Fell und manchmal einen Bart. Sie hat einen kräftigen Körperbau, grosse Hörner und ist sehr muskulös.

Sie ist ein sehr temperamentvolles, aber auch anpassungsfähiges sowie genügsames Tier. Ihr unbändiger Freiheitsdrang und die Klettertüchtikgeit ermöglicht es ihr, auch Futter in extremem Gelände zu finden. Da sie über ein äusserst dichtes Unterhaar verfügt, kommt sie sowohl mit sehr hohen sowie auch sehr niedrigen Temperaturen aus. So wird sie traditionell draußen gehalten und ist nur während kurzer Zeit im Winter ab dem ersten Schneefall im Stall. Für Stallhaltung ist sie jedoch gänzlich ungeeignet. So muss der Züchter auch über den Winter für genügend Auslauf für die Ziege sorgen.

Sie ist die robusteste Ziegenrasse im Alpenraum. Im freien Weidegang sorgt sie auch dafür, dass Büsche und Bäume zurückgedrängt werden und trägt so zur Landschaftspflege in den Bergen bei. Der freie Weidegang steht jedoch immer wieder zur Diskussion, da die Ziegen bei jungen Nadelwäldern durch Verbiss auch erheblichen Schaden anrichten. Der Wald kann dadurch seine Schutzfunktion bei Erosionen und Lawinen nicht mehr wahrnehmen. In vielen Kantonen ist daher der freie Weidegang nur noch beschränkt möglich. Die Zeit, die die Ziegen frei im Gebirge verbringen, fällt in die Brunftzeit der Tiere. Da den Herden aus unterschiedlichen Gründen stets mehrere Böcke mitgegeben werden, lässt sich die väterliche Abstammung nie nachvollziehen, was eine gezielte Zucht erschwert. Selten kann es sogar vorkommen, dass einzelne Tiere oder gar die ganze Herde von einem wilden Steinbock gedeckt werden. Auch wenn die aus solchen Verpaarungen entstandenen Hybriden uneingeschränkt fruchtbar sind, wird mit ihnen nicht weitergezüchtet, da dies gesetzlich verboten ist.

Die ausgezeichnete Fleischqualität macht sie bei Ziegenzüchtern in der Südschweiz sehr beliebt. Sie ist nördlich der Alpen nur selten anzutreffen.

Die Widerristhöhen liegen bei den Geissen bei 80 cm, bei den Böcken bei 90 cm.
Die Gewichte liegen bei den Geissen bei 60 kg, bei den Böcken bei 80 kg.

Geschichtliches

Die Nera-Verzasca-Ziege hat ihren Ursprung im gleichnamigen Verzascatal und ist eine Tessiner Lokalrasse, welche sich über anliegende Täler bis ins italienische Grenzgebiet ausdehnt. Auch im Südbündnerischen Misox und Calancatal trafn man sie früher häuftig an. So sprach man in Graubünden manchmal auch von der Calancasker-Ziege und meine damit die Nera Verzasca. Die Rasse ist besonders gefährdet. Gemäss dem Herderassenbuch weist sie von allen Ziegen am wenigsten Tiere auf.  Sie ist die einzige gefährdete Ziegenrasse, die in den letzten 20 Jahren anzahlmässig abgenommen hat.

In den kargen, gebirgigen und niederschlagsarmen Regionen wie im Süden der Schweiz spielen die genügsamen und klettertüchtigen Ziegen seit jeher nebst den Schafen die Hauptrolle bei der Versorgung der Einwohner und prägen auch heute noch das Bild der Landwirtschaft. So zählte man noch zur Jahrhundertwende im Maggiatal dreimal mehr Ziegen als Einwohner.

Vorkommen & Verbreitung

Erlebnisregionen graubündenVIVA

Verwendung

Gitzifleisch enthält nur wenig Fett, ist cholesterinarm und enthält wertvolle Eiweisse. Es gilt daher als sehr gesund und ist auch für linienbewusste Geniesser bekömmlich (SZZV). Mehr zur Verwendung des Gitzifleischs finden sie auf der Website Schweizer Gitzi
 

Auch die Ziegenmilch erfreut sich grosser Beliebtheit, weil sie – wie die daraus hergestellten Produkte – lactosearm und leicht verdaulich ist sowie Eiweisse und Caprinsäure enthält. Im Tessin, der Herkunftsregion der Nera Verzasca, gibt es im Gegensatz zur Restschweiz eine Vielzahl von Ziegenkäse-Spezialitäten (z. B. «Formaggini bassi», «alti» oder «alle erbe»).

Die Qualität des Fleisches begeistert auch Sterneköche. Hier zum Bericht.

Bezugsquellen

ProSpecieRara

Schweiz

Rassenspezifisch ist die Vermarktung meist direkt über den Züchter möglich. ProSpecieRara bietet online ein Verzeichnis «Karte der Vielfalt» an, wo sich die Züchter eintragen können. Dort können dann Züchter nach Region gefunden werden.

Bilder

Quelle: ProSpecieRara Quelle: ProSpecieRara Quelle: ProSpecieRara

Quellen der Recherche

Beschreibung

Lehmann, P. und Rehazek, A. (2015). Ziege. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Abgerufen am 1.10.2019 von Link

 

Beschreibung

ProSpecieRara (o.J.). Nera Verzasca. Abgerufen am 16.8.2019 von Link

 

Beschreibung

Schweizerischer Ziegenzuchtverband (SZZV) (o.J.). Abgerufen am 16.8.2019 von Link

 

Beschreibung

Weiss, U. (Hrsg.) (1996). Schweizer Ziegen.