Rätisches Grauvieh

Landwirtschaftliches Produkt

Quelle: ProSpecieRara

Benennung

Typ

  • Familie
  • Gattung
  • Typ

Systematik

Grauvieh, Race Grise, Graurind, Tiroler Grauvieh, razza grischa retica

 

Characteristika

Das Rätische Grauvieh fällt auf, weil es klein und grau ist und damit perfekt mit der rauen Bergwelt harmoniert. Seine Fellfarbe hat verschiedensten Nuancen von grau-blau, eisengrau, schiefergrau, silbergrau bis grauschwarz. Es kennzeichnet sich durch ein tiefschwarzes Rehmaul. Das Rätische Grauvieh verfügt über kurze, elegant geschwungene Hörner mit schwarzen Spitzen. Sein Körperbau ist kleinrahmig und stämmig. Die kurzen Beine machen es sehr trittsicher, daher kann es im Vergleich zu anderen Rindern sehr gut klettern. In Berggebieten sind Bauern froh um diese Rasse, weil es durch das geringe Gewicht nur wenig Landschäden verursacht, wenn es im Sommer in den Hochlagen grast.

Die Grauviehkälber sind bei der Geburt weiss und färben sich erst später in grau. Das Rätische Grauvieh beschreibt sich als eher ruhig, genügsam und anpassungsfähig. Züchter schätzen besonders die Vitalität sowie die hohe Futterverwertung bei extensiver Haltung. Es benötigt kein Zusatzfutter, sondern liefert lediglich anhand von Raufutter respektable Mengen an Fleisch. Die Rasse ist auch sehr wichtig für die Milchproduktion, da sie verhältnismässig (Futterverwertung/Körpergrösse) viel Mich gibt und das mit guten Inhaltsstoffen und einem hohen Fettgehalt.
 

Kühe: Widerristhöhe 110–128 cm / Gewicht 300–600 kg
Stiere: Widerristhöhe 115–134 cm / Gewicht 500–1000 kg

 

Geschichtliches

Die alten Rinderrassen wurden von der modernen Rinderzucht verdrängt, die ganz mehr auf Spezialisierung aus ist und entweder auf viel Milch oder auf viel Fleisch abzielt. Hier stehen die alten Landrassen im extremen Kontrast. Sie werden bei der heute gefragten extensiven Landwirtschaft wieder interessant, da ihr Output bei einem geringen Input sehr gut ist. Ausgaben für Futter, Stallauflagen sowie Ärzte sind im Vergleich sehr niedrig und durch ihre gesunde Lebensweise sind sie langlebig und werfen somit auch viel länger Profit ab. Mit den alten Rassen lassen sich authentische regionale Spezialitäten herstellen, die in hochwertigen Nischenmärkten vertrieben werden können und gleichzeitig ein Stück Kulturgut erhalten.

Das Graurind gibt es seit mehreren Jahrhunderten. Es ist zusammen mit dem Braunvieh auf das jungsteinzeitliche Torfrind zurückzuführen. Es war lange das primäre Nutzrind in den Zentralalpen.

Ab 1920 wurde das Grauvieh vermehrt von Braunvieh gedeckt, um von der Milchleistung des Braunviehs zu profitieren und wirtschaftlich höhere Gewinne zu erzielen. Man spricht von einer systematischen Verdrängungskreuzung. So hat sich der Bestand des Grauviehs für lange Zeit kontinuierlich verringert und wäre sogar fast verschwunden. Zum Glück blieb das Grauvieh im Tirol erhalten und konnte so erfolgreich wieder in der Schweiz angesiedelt werden. Dies ist ProSpecieRara zu verdanken, die 1985 zusammen mit engagierten Züchtern diese Rasse aus dem Oberinntal und der Finstermünzschlucht, wohin die Tiere früher ausgetauscht worden sind, zurückimportierten und wieder in Graubünden ansiedelten. Heute gibt es in der ganzen Schweiz Züchter, die an dieser alten Rasse festhalten, da sie sich an wenig ertragreiche Böden und extreme Lagen gut anpassen kann. Ein weiterer Vorteil des Rätischen Grauviehs besteht darin, dass es dank seiner Grösse trotz den neuen Tierschutzbestimmungen weiterhin in historischen Ställen gehalten werden darf.

 

Verwendung

Das Fleisch zeichnet sich durch seine Feinfasrigkeit und einem schönen Fleisch-Fett-Verhältnis aus. Die erstklassige Qualität dieses Fleisches kommt wohl am besten zur Geltung beim Kurzbraten. 

 

Bezugsquellen

ProSpecieRara

Schweiz

Rassenspezifisch ist die Vermarktung meist direkt über den Züchter möglich. ProSpecieRara bietet online ein Verzeichnis «Karte der Vielfalt» an, wo sich die Züchter eintragen können. Dort können dann Züchter nach Region gefunden werden.

Bilder

Quelle: ProSpecieRara Quelle: ProSpecieRara

Quellen der Recherche

Beschreibung

ProSpecieRara (o.J.). Rätisches Grauvieh. Abgerufen am 1.10.2019 von Link

 

Beschreibung

Mutterkuh Schweiz (o.J.). Grauvieh. In: Herdebuch. Abgerufen am 10.7.2019 von Link