Geschichte

Gazosa: Perlen für Grotti bis Szenebars

Gazosa ist als Tessiner Limonade im ganzen Land berühmt. Viele wissen allerdings nicht, dass eine der beliebtesten Gazose Bündner Wasser enthält – La Fiorenzana aus Grono im Misox.

Verschiedenste Sorten

«Im Misox ist die Gazosa al limone am beliebtesten», sagt Fabrizio Ponzio in seinem Büro in Grono, wo die Firma Ponzio-Tonna SA die Gazosa «La Fiorenzana» produziert. «In Zürich sind Heidelbeere und Bitterorange am meisten gefragt, in der Westschweiz Grapefruit und Bitterorange, in Chur ist es Bergamotte.» Vor 20 Jahren wäre diese Rangliste kaum zu erstellen gewesen, denn Gazosa, die traditionelle Südschweizer Limonade, wurde bestenfalls als Andenken im Reisegepäck über den Gotthard gebracht. Für die Produzenten im Tessin und im Misox lohnte es sich nicht, die Limonaden über den eigenen Nahbereich hinaus zu exportieren. Die Mengen zu gering, die Kosten zu hoch – allein schon die Bügelverschlüsse.

Nostalgische Mystik

Gazosa verbreitet im 21. Jahrhundert eine Art nostalgische Mystik, was angesichts der gigantischen globalen Softdrink-Unternehmen kaum überraschen kann. Dabei basiert diese Limonade auf einer der ältesten kulinarischen Entdeckungen: Dass durch Gärung Kohlensäure entsteht. Holunderblütenlimonaden werden immer noch von Privaten angesetzt, auch andere Fruchtsäfte lassen sich in erfrischenden Sprudel verwandeln. Man muss nur aufpassen, dass am Ende nicht die Flaschen explodieren.

Ende des 19. Jahrhunderts begann man im Tessin, Gazosa herzustellen: Die Fabbrica di Gazose e Seltz nahm 1883 in Mendrisio ihren Betrieb auf. Die Firma importierte Idee und Zitronen – limone, was der Limonade den Namen gab – aus Italien. Ein wagemutiger Kopf führte die Idee 1898 ins Misox aus und versuchte sich mit dem Sprudel – gazosa heisst gashaltig – in Mesocco. «Das funktionierte wohl nicht so gut», rekapituliert Fabrizio Ponzio, «Francesco Tonna kaufte mit einem Partner zusammen das Rezept und begann 1921 in Grono mit der Produktion.» Zuerst mit Gazosa al limone, dann bezahlte er nach ein paar Jahren den Partner aus und erweiterte die Angebotspalette.

Er pröbelte im Keller seines Wohnhauses, das neben einem mittelalterlichen Wach- und Wohnturm steht, 1286 gebaut und «La Fiorenzana» geheissen, später Namensgeber und Etikettensujet der Gazosa aus Grono. Neben dem Ensemble von Turm und Haus wurde ein geräumiger Komplex errichtet, in dem Gazosa produziert und andere Getränke gelagert werden, denn von der eigenen Limonade allein kann Ponzio-Tonna nicht leben.

Das Herz freilich bleibt die Gazosa, die nach demselben Rezept hergestellt wird, das der Urgrossvater erworben hat. Das Geheimnis der Misoxer Gazosa ist der erste Schritt, die Herstellung des Zuckersirups. Man gibt nicht einfach Zucker in kaltes Wasser und rührt dann tüchtig, sondern kocht die Mischung, je nach vorgesehenem Aroma, mit Zitronensäure. Das Kochen verbessere den Geschmack, beteuert Ponzio. Den Sirup lässt man ruhen, dann werden die natürlichen Aromen zugefügt. Gazosa Fiorenzana wird in neun Aromen angeboten, die je nach Frucht als Sirup, Pulpe oder Essenz beigegeben werden: al limone, al lampone (Himbeer), al mirtillo (Heidelbeer), all’aranciata amara (Bitterorange), all’aranciata dolce, al mandarino, al pompelmo (Grapefruit), al chinotto, al bergamotto. Die ganze Palette sowie Gazose aus dem Tessin kann man heute auch in der Deutschschweiz finden. «Dort machen wir unser Hauptgeschäft», sagt Fabrizio Ponzio, der im übernächsten Jahr das 100-Jahr-Jubiläum der Gazosa La Fiorenzana begehen kann.

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