Geschichte

Mehl & Zucker

Zwei Mühlen sind in Graubünden noch in Betrieb. Im Bergell und in der Valposchiavo. Sie zu verbinden, ist eine genussvolle Reise.

Text — Stephanie Elmer

Tagesablauf

FREITAG

Mühlentour
Mit Gian Andrea Scartazzini und seinen beiden Söhnen Vittorio und Giulio wird die Mühle am Ufer der Maira im Bergell in neunter und zehnter Generation mit viel Herzblut und kreativen Ideen geführt. Ein Ausflug in vergangene Zeiten ist die Besichtigung der Mühle, bei der Gian Andrea Scartazzini einiges zu erzählen weiss. Schliesslich gehört sie seit über dreihundert Jahren seiner Familie.

Staunen — Führung in der Mühle in Promontogno ab vier Personen auf Voranmeldung, CHF 10.– pro Person.

Wie ein König 
Eine Oase aus dem 17. Jahrhundert ist der Palazzo Salis in Soglio. Jedes der 14 Zimmer ist ein Unikat mit viel antikem Mobiliar. Doch nicht nur im Palast lässt sich in ferne Zeiten schweifen, sondern auch im Garten. Und: Gut möglich, dass sich am Frühstücksbuffet Brot mit Mehl der Familie Scartazzini degustieren lässt. Denn in der Küche der Gastgeberin Monika Keller spiegelt sich die Liebe zum Regionalen und Saisonalen.

Schlafen — Im Palazzo Salis in Soglio, Zimmer ab CHF 159.50 pro Person und Nacht mit Halbpension. 

 

SAMSTAG

Auf der Via Panoramica
Der Weg ist historisch und einfach unglaublich schön. Die Via Panoramica führt auf der alten Handelsroute «Malögin» von Soglio nach Maloja. Wer genügend Zeit einplant, kann den Höhenweg ab und zu unterbrechen, um in eines der Dörfer hinabzusteigen und dieses zu erkunden oder den Rucksack mit neuem Proviant zu füllen.

Wandern — Auf dem Panoramaweg von Soglio nach Maloja, rund 1300 Höhenmeter auf 18 Kilometern. 

Die Zuckerbäcker
Einst zogen Bündner Zuckerbäcker in die Welt hinaus, um zu arbeiten. Viele von ihnen kehrten wohlhabend in die alte Heimat zurück. Der Palazzo Castelmur zeigt eine Dauerausstellung zu diesem spannenden Stück Geschichte. Giovanni de Castelmur, der einen Teil des Palastes im 19. Jahrhundert errichten liess, wurde in Stampa geboren, wuchs selbst aber in Marseille auf, wo seine Familie eine bekannte Konditorei besass.

Erleben — Der Palazzo Castelmur in Stampa ist jeweils in den Sommermonaten geöffnet und montags geschlossen. 

So ein Käse!
Wer das Brot aus der Mühle Scartazzini bespielen möchte, findet in der Latteria Bregaglia den perfekten Ort dazu. Jeden Tag nach dem Melken bringen die Bauern aus der Region ihre Milch hierhin, wo aus ihr Käse, Joghurt und Butter wird.

Einkaufen — In der Latteria Bregaglia in Vicosoprano, Mo – Sa 8 – 12 h. 

Mmmmmmhhhhh
Für diesen Abstecher braucht es ein bisschen Zeit und Musse, jedoch wird man in Samedan mit etwas Süssem belohnt. Die Confiserie Pult gilt als Geburtsort der Bündner Nusstorte, deren Rezept der Zuckerbäcker Fausto Pult aus Südfrankreich mitgebracht haben soll. Eine bessere Zwischenstation, bevor die etwas längere Reise in die Valposchiavo weitergeht, kann man sich eigentlich nicht vorstellen.

Schlemmen — In der Bäckerei Laager, der früheren Confiserie Pult, in Samedan. 

Eine Zeitreise
Nach der Reise ist die Einkehr im Hotel Albrici am Dorfplatz in Poschiavo eine Wohltat. Der traditionsreichen Küche wegen. Aber auch wegen der gemütlichen Atmosphäre im Patrizierhaus, das aus dem 17. Jahrhundert stammt.

Schlafen — Im Hotel Albrici am Dorfplatz in Poschiavo, Zimmer ab CHF 110.–. 

 

SONNTAG

Durch den Borgo
Ein Spaziergang durch das morgendliche Poschiavo lädt zum Erkunden kulinarischer und edler Souvenirs, mit denen man ein klitzekleines Stück des Tals mit nach Hause nehmen kann. Zum Beispiel die XXL-Spaghetti von der Molino e Pastificio SA, der zweiten Handelsmühle, die in Graubünden noch in Betrieb ist. Gut mitnehmen lässt sich auch die währschafte Küche. Etwa mit einem Furmagin da Cion – einer traditionellen Wurst, die jeweils während der Schweineschlachtung hergestellt wird, um alle Fleischteile verwenden zu können. Um diese Mitbringsel auf einem schön gedeckten Tisch zu präsentieren, lohnt sich ein Besuch in der Tessitura, der Handweberei im Palazzo de Bassus-Mengotti. Und mit einem kleinen Abstecher ins Spanische Viertel lässt sich als Ausklang nochmals ein Stück der Zuckerbäcker-Geschichten entdecken – dort wurden die stolzen Palazzi mit den schmucken Gärten im 19. Jahrhundert von zu Wohlstand gekommenen Rückkehrern gebaut. Im Sommer werden die lauschigen Gärten manchmal für Konzerte geöffnet.

Schlendern — In Poschiavo kulinarische Souvenirs kaufen:
Hostaria del Borgo
Pasticceria - Panetteria Bordoni
Tessitura

Geheimtipp

Bündner Gerste

Frisches Bier aus dem Unterengadin
Dass Bündner Gerste sich nicht nur in der Suppe gut macht, sondern auch im Bier, haben die Tschliner längst bewiesen. Die Idee entstand vor rund fünfzehn Jahren, an einem Zukunftsworkshop der Gemeinde. Und das, obwohl es bis zu diesem Zeitpunkt im Unterengadin noch gar keine Biertradition gab. Das Bier sollte Durst löschen und dabei den Namen «Tschlin» aus dem Tal hinaus ins Land tragen und helfen, Arbeitsplätze zu schaffen und sichern. Aus diesen praktischen Überlegungen ist das Tschliner Bier «Biera Engadinaisa» längst herausgewachsen und mittlerweile gehört das Bier zum Dorf wie der Hopfen ins Bier.

Die Tschliner sind stolz auf ihr frisches Bier. Und das ist eben wirklich frisch. Denn das Wasser, mit dem die Brauerei auf rund 1000 Meter über Meer ihr Bier braut, ist frisches Bergquellwasser. Doch auch abgesehen davon ist das Tschliner Bier ein echter Bündner. Denn die Gerste stammt zum grössten Teil von Gran Alpin und somit aus der Region. Mittlerweile gibt’s das Bier aus Tschlin in fünf verschiedenen Variationen, deren Flaschen alle mit einem unverkennbaren Merkmal ausgestattet sind: einer kleinen Papier-Fahne, die in Handarbeit am Flaschenhals befestigt wird. Dass den Bierbrauern die Ideen noch lange nicht ausgegangen sind, zeigen die neusten Produkte, die in der Zwischenzeit zur Bierfamilie gestossen sind. Etwa der Gin «Dschin da Tschlin» oder der Bier-Brand, der aus destilliertem Bier produziert wird.

Degustieren — Die Brauerei Biera Engiadinaisa in Tschlin besichtigen und die Biere degustieren oder gleich das eigene Bier brauen. Eine Übersicht mit den verschiedenen Verkaufsstellen des Tschliner Biers ist im Internet zu finden. Prost!